Totalschaden

IMMER WIEDER MITTWOCHS
12.02.2014

Totalschaden

   Mensch fasst sich an den KopfGelegentlich fasst sich der Mensch an den Kopf. Nur nutzt ihm das nicht immer etwas. Außerdem gelangt nicht jede Hand dorthin. Nicht selten ist an diesem Ort die Welt mit Brettern vernagelt. Wer anklopft, dem wird nicht immer aufgetan. Über den Häuptern der Nation öffnen sich auch immer wieder die Schleusen und es gibt kein Entrinnen vor dem medialen Wolkenbruch. Unter dem weiten Mantel der heiligen Informationspflicht stürzt sich das Gewerbe auf jedes Sonderangebot.

   Die steuerlichen Belange von Staat und Gesellschaft sind immer wieder solch ein Glücksfall für die Redaktionen, praktisch die Tütensuppen der Branche. Wasser drauf umrühren und die Mahlzeit ist fertig.  Der perfekte Schnellimbiss für gestresste Köpfe. Keine Sorge, wir wärmen das Thema jetzt nicht wieder auf. Unser Tisch wurde bereits reichlich gedeckt. Kein Blatt hat sich die Chance zum Füllen seiner Seiten entgehen lassen. Erst recht die Sender haben kräftig zugelangt.

   Montag „Hart aber fair“, Donnerstag bei „Maybrit Illner“ und am heiligen Sonntag tritt „Günther Jauch“ noch einmal kräftig nach. Dazwischen online, offline immer die gleiche Parole. Igitt, so etwas tut man nicht, wie kann man nur? Der Inhaber einer Drogeriekette und ehemalige Arbeitgeber einer Bundespräsidentengattin wird zu solchen Events gern eingeladen, weil er fröhlich in die Kamera blickt und über das Mikrophon verkündet, wie gern er doch Steuern zahlt. Hut ab. Da freut sich auf dem Stuhl neben ihm der Finanzminister natürlich sehr. Ein klarer Fall für das Bundesverdienstkreuz.

   Wenn selbst der ADAC schon Totalschaden erleidet, kann das denkende Bürgerhirn gleich mit entsorgt werden, alles in einem Aufwasch. Das könnte das aktuelle Kalkül sein. Plötzlich werden längst totgeglaubte Wahnsinnsirrtümer wieder aufs Brot geschmiert:  ach der Herr Staatssekretär, ein so gebildeter, freundlicher, sachverständiger, erfolgreicher und verdienter Kulturmanager … wie kann man sich denn so täuschen? Sein Chef hat das nüchterner gesehen und sich die Winterferien nicht vermasseln lassen. Steuern sind Steuern und Kultur ist Kultur. Hauptsache im Job flutscht es. Alles andere ist sein Bier. Im Roten Rathaus am Alexanderplatz gibt es offensichtlich Schlimmeres als eine falsche Steuererklärung.

   Wenn jeder freundliche Familienvater immer und überall freundlich wäre, bräuchten wir keine Frauenhäuser. Würden alle, ob einfache Nachbarn oder bekannte Stars ausschließlich nach den zehn Gebote leben, könnten wir uns die Gefängnisse und viel Papier für die vielen Stories sparen. Der Volksmund weiß längst, dass wir keine Engel sind und die Gelegenheit Diebe macht. Lassen wir aber durch Volksweisheiten jetzt nicht von den Kernproblemen ablenken. Kehren wir zurück zu den medialen Irrtümern.

   Wo dort der Schuh drückt findet jeder am besten für sich selbst heraus. Journalistische Recherche kann durchaus eine Hilfe sein. Sie führt aber auch Immer wieder in die Irre. Steuerflüchtlinge werden gejagt und die tatsächlichen Dramen bleiben auf der Strecke. Letzteres geschieht bevorzugt dann, wenn auf Auflage und Quote geschielt wird. Da gerät schnell aus dem Blick, worauf es tatsächlich ankommt oder besser gesagt ankäme, wenn das beschworene Informationsideal zum Wohle der Menschheit tatsächlich immer im Vordergrund stünde.

   Immer wieder im Leben lohnt sich die Frage, wem was nützt. Besonders gut scheinen wir mit der Einschätzung beraten, dass das, was wir vorfinden wenn der Mensch seine Hand im Spiel hat, auch tatsächlich so gewollt ist. Wer sich auf diesen Erkenntnispfad begibt, wird einige Überraschungen erleben und dann eines Tages überhaupt nicht mehr überrascht sein.

  Zum Einstieg und der Hintergrundausleuchtung stehen hier gleich zwei Aufhänger zur Verfügung. Der eine führt locker zu einem hausgemachten Grundproblem des menschlichen Zusammenlebens (1). Der andere ist geeignet, uns  auf tragische Weise vor Augen zu führen, was schon zum Ausdruck gebracht worden ist: von Menschenhand gemacht und so gewollt. Vor diesen Abgründen wird jeder Steuerflüchtling zum kleinen Licht (2).

(1) Gefährlicher als die Mafia
(folgen Sie dem Link)

(2) Das Imperium der Schande

An diesem zweiten Text ist auch das Datum bemerkenswert. Er ist geschrieben worden als Vorwort zu einem weltweiten Bestseller im Jahre 2008. Das „Imperium der Schande“ ist allerdings schon seit 2005 auf dem Markt. Der damalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und auch heute noch unermüdliche Schweizer Soziologe Jean Ziegler ist bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. In seiner Heimat hat er sich bereits Anfang der neunziger Jahre vor allem mit einem weiteren Bestseller „Die Schweiz wäscht weißer“ extrem unbeliebt gemacht.

   Sogar seine Immunität als Schweizer Nationalrat wurde damals aufgehoben. Die straf- und zivilrechtlichen Auseinandersetzungen mit ihm und seiner pointiert formulierenden Zunge füllen inzwischen Bände. Seit September 2013 ist der engagierte Globalisierungskritiker dennoch mit überragender Mehrheit wieder als Mitglied des UN-Menschenrechtsausschusses eingesetzt worden, gegen den erbitterten Widerstand seiner Gegner. Er lehrte Soziologie in Genf und an der Sorbonne in Paris.

Was hat das alles mit Ihrem Geld zu tun? Sehr viel, warten Sie’s ab.

Im Anschluss an den Text finden Sie ein Video unter anderen mit Jean Ziegler aus dem legendären ZDF-Nachstudio. Das sollten Sie nicht versäumen.


Vorwort zur Taschenbuchausgabe

Originalzitat – GOLDMANN (Aktualisierte Ausgabe)

„Es war eine stockfinstere, mondlose Nacht. Der Wind fegte mit mehr als hundert Stundenkilometern über das Meer. Er peitschte zehn Meter hohe Wellen hoch, die mit einem schrecklichen Tosen auf das leichte Boot herabstürzten. Es war vor zehn Tagen von einer kleinen Bucht an der mauretanischen Küste aufgebrochen, an Bord 101 afrikanische Flüchtlinge.

Wie durch ein Wunder warf der Sturm das Boot gegen ein Riff  am Strand von El Médano, einer kleinen Insel im Archipel der Kanarischen Inseln.

Im Boot fand die spanische Guardia Civil unter den verstörten Überlebenden die Leichen von einer Frau und drei Jugendlichen, die an Hunger und Durst gestorben waren.

In derselben Nacht strandete ein paar Kilometer entfernt auf dem Strand von El Hierro ein alter Kahn: an Bord sechzig Männer, 17 Kinder und sieben Frauen. Sie wankten wie Gespenster am Rand der Agonie und brachen auf dem Sand zusammen.1

Zur selben Zeit spielte sich, diesmal im Mittelmeer, ein anderes Drama ab: 150 Kilometer südlich von Malta entdeckte ein Beobachtungsflugzeug der Organisation Frontex2 ein mit 53 Personen stark überladenes Schlauchboot, das – wahrscheinlich aufgrund einer Motorpanne – auf den Wellen dahintrieb. Die Kameras des Flugzeugs konnten an Bord Frauen und Kleinkinder ausmachen. Der Pilot informierte sofort die maltesischen Behörden.

Diese weigerten sich einzugreifen unter dem Vorwand, dass sich die Flüchtlinge in einer »libyschen Such- und Rettungszone« befanden. Laura Boldini, die Vertreterin des Hochkommissariats für Flüchtlinge der Vereinten Nationen in La Valette, intervenierte und bat die Malteser, ein Schiff  zur Rettung der in Seenot geratenen Menschen auszusenden. Ihr Argument: »Es ist schon vorgekommen, dass Boote bis zu zwanzig Tage im Mittelmeer dahintreiben.«3

Es war nichts zu machen.

Europa rührte keinen Finger.

Man verlor jede Spur von den Flüchtlingen.

Eine Woche davor war ein Boot, das die Kanarischen Inseln zu erreichen versuchte, mit ungefähr hundert afrikanischen Hungerflüchtlingen an Bord auf der Höhe von Senegal im Meer gesunken. Es hatte zwei Überlebende gegeben.4

Am 28. September 2005 hatten spanische Soldaten aus allernächster Nähe fünf junge Afrikaner hingerichtet, die den stromgeladenen und stacheldrahtgekrönten Gitterzaun hochzuklettern versuchten, der die spanische Enklave Ceuta in Marokko umgibt. Acht Tage darauf waren sechs weitere junge Schwarze unter ähnlichen Umständen erschossen worden.5

Tausende Afrikaner, darunter Frauen und Kinder, sammeln sich vor den Gitterzäunen der beiden spanischen »Präsides« von Ceuta und Melilla im trockenen Rif-Gebirge. In regelmäßigen Abständen verwüsten die marokkanischen Soldaten die Flüchtlingslager in den Hügeln über den Enklaven. Sie konfiszieren die dürftige Habe der Afrikaner, brennen die Hütten und Plastikunterstände nieder und prügeln die Hilflosen, zuweilen sogar zu Tode. Die Überlebenden werden in die Sahara zurückgetrieben.

Ohne Wasser und ohne Vorräte.

Hunderte, vielleicht Tausende von ihnen gehen auf den Felsen oder auf dem Wüstensand zugrunde.6

Tag für Tag, Jahr für Jahr wird über Flüchtlingstragödien berichtet, eine Nachricht jagt die andere. Doch noch immer wütet das Meer unter den verzweifelten Menschen.

2007 war ein besonders schlimmes Jahr. Den Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge zufolge versuchten im Jahr 2007 über 22000 Hungerflüchtlinge aus Somalia, Eritrea und Äthiopien die Meerenge zwischen dem Horn von Afrika und dem Jemen zu überqueren, um später nach Europa zu gelangen. Zwischen der Küste vor Mogadischu und der Bucht von Aden dauert die Überfahrt auf morschen Kähnen zwei Tage und zwei Nächte. Wie viele Menschen starben im Roten Meer – in den Fluten ertrunken, von Haien gefressen, verdurstet auf den überladenen Kähnen? Mehrere tausend Opfer hat es der UNO zufolge im Jahr 2007 allein in der Meerenge von Aden gegeben.

Auch für die über 2000 km lange Passage zwischen der Landzunge von Saint-Louis im Nordsenegal und der kanarischen Inselgruppe sind die Opferzahlen steigend. Im Jahr 2007 ist nach Schätzung der UNO auf der Nordatlantikroute jeder sechste Flüchtling umgekommen.

11. Dezember 2007: Vor Dakhla (Westsahara) kentert ein mit fünfzig Menschen überladener Kahn. Keiner von ihnen überlebt. Zwei Tage später meldet die senegalesische Marine-Polizei die Havarie eines winzigen Fischerbootes mit 130 Illegalen an Bord. 42 von ihnen ertrinken im sturmgepeitschten Atlantik, in Sichtweite des senegalesischen Rettungsschiff es.

Wie viele von Elend, Hunger und Verzweiflung geplagte Afrikaner verlassen alljährlich ihr Land, um unter Lebensgefahr den Versuch zu unternehmen, nach Europa zu gelangen?

Laut der spanischen Regierung sind 47 685 illegale afrikanische Migranten im Jahr 2006 an den spanischen Küsten gelandet. Dazu muss man die 23 151 illegalen Migranten hinzurechnen, die von Libyen oder von Tunesien aus auf italienischen Inseln oder auf Malta gelandet sind. Andere versuchen, über Ägypten, die Türkei und Griechenland die italienische Adriaküste zu erreichen.

Markku Niskala, der Generalsekretär der internationalen Föderation der Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, sagt: »Diese Krise wird völlig verschwiegen. Diesen Personen in äußerster Bedrängnis kommt nicht nur niemand zu Hilfe, ja es gibt nicht einmal eine Organisation, die wenigstens Statistiken aufstellen würde, die diese alltägliche Tragödie widerspiegeln.«7

Die Flucht der afrikanischen Hungerflüchtlinge über das Meer wird durch einen besonderen Umstand begünstigt: die rasch voranschreitende Zerstörung der Fischergemeinden an den Atlantik- und Mittelmeerküsten des Kontinents. Diese Zerstörung kommt daher, dass die meist hoch verschuldeten afrikanischen Staaten die Fischereirechte an ausländische Unternehmen verkaufen. Die riesigen Fang- und Verarbeitungsschiff e aus Japan, Kanada, Portugal, Frankreich, Dänemark usw. verwüsten die Hoheitsgewässer. Die ruinierten, in auswegloses Elend gestürzten und machtlosen Fischer verkaufen ihre Boote billig an verbrecherische Menschenhändler oder versuchen sich selbst als Schlepper. Diese Boote, die für die Küstenfischerei in den Hoheitsgewässern gebaut sind, sind nicht hochseetauglich.

Knapp unter einer Milliarde Menschen wohnen in Afrika. Zwischen 1972 und 2002 ist die Zahl der schwerst und dauerhaft unterernährten Afrikaner von 81 auf 203 Millionen angewachsen.

Warum? Es gibt mehrere Gründe für dieses Desaster. Der wichtigste Grund: die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union.

Die Industriestaaten der OECD haben ihren Landwirten und Viehzüchtern im Jahr 2007 mehr als 350 Milliarden Dollar an Subventionen für Produktion und Export ausbezahlt.

Insbesondere die Europäische Union praktiziert in Afrika das Agrar-Dumping. Das führt in erster Linie zur systematischen Zerstörung der afrikanischen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln.

Nehmen wir als Beispiel »Sandaga«, den größten Markt für gängige Konsumgüter in Westafrika. Sandaga ist eine lärmende, bunte, duftende, wunderbare Welt mitten in Dakar.

Die Konsumenten können dort je nach Jahreszeit Gemüse und Obst aus Portugal, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland usw. kaufen – und zwar zu einem Drittel oder zur Hälfte des Preises der gleichwertigen einheimischen Produkte.

Einige Kilometer entfernt von hier arbeitet der afrikanische Bauer mit seiner Frau und seinen Kindern bis zu 15 Stunden pro Tag bei glühender Hitze – und hat nicht die geringste Aussicht, dafür ein anständiges Mindesteinkommen zu erhalten.

Von 52 afrikanischen Ländern sind 37 reine Agrarländer.

Wenige Menschen auf der Welt arbeiten so viel und unter so schwierigen Bedingungen wie die afrikanischen Bauern, seien es die Wolof im Senegal, die Bambara in Mali, die Mossi in Burkina Faso oder die Baschi in der kongolesischen Region Kivu.

Die Politik des landwirtschaftlichen Dumpings, die von Europa praktiziert wird, zerstört ihr Leben und das ihrer Kinder.

Der Zynismus der EU-Kommissare in Brüssel ist bodenlos. Sie fabrizieren den Hunger in Afrika und organisieren auf den Meeren die Jagd nach den Hungerflüchtlingen. Sie haben eine halb geheime militärische Organisation auf die Beine gestellt, die den Namen Frontex trägt. Diese Institution ist für die »Verteidigung der Außengrenzen Europas« zuständig. Sie verfügt über schnelle und bewaffnete hochseetaugliche Abfangschiff e, über Kampfhubschrauber, eine Flotte von Überwachungsflugzeugen, die mit hochempfindlichen Nachtsichtkameras ausgestattet sind, über Radaranlagen, Satelliten sowie über hochentwickelte Mittel zur elektronischen Fernüberwachung.

Frontex unterhält auf afrikanischem Boden auch »Auffanglager«, in denen die Hungerflüchtlinge zusammengepfercht sind, die aus dem mittleren, dem westlichen und dem südlichen Afrika kommen, aus Tschad, aus der Demokratischen Republik Kongo, aus Burundi, Kamerun, Eritrea, Malawi, Simbabwe usw.

Oft sind diese Flüchtlinge schon sieben, acht Jahre lang durch den Kontinent unterwegs. Sie schlagen sich mühsam durch, überqueren Grenzen und versuchen, nach und nach näher an eine Küste heranzukommen. Dann werden sie von den Leuten der Frontex oder ihren örtlichen Helfershelfern abgefangen, die den Auftrag haben, sie daran zu hindern, die Häfen am Mittelmeer oder am Atlantik zu erreichen.

Angesichts der beträchtlichen Summen, die Frontex an die afrikanischen Regierungen ausschüttet, lehnen nur wenige die Errichtung solcher Lager ab.

Algerien kommt die Ehrenrettung zu. Präsident Abdelaziz Bouteflika sagt: »Wir lehnen diese Lager ab. Wir werden nie die

Kerkermeister unserer Brüder sein.«

Ich betone: Die Heuchelei der Kommissare in Brüssel ist abscheulich. Einerseits organisieren sie die Hungersnot in Afrika, auf der anderen Seite kriminalisieren sie die Hungerflüchtlinge.

Aminata Traoré fasst die Situation folgendermaßen zusammen: »Die finanziellen und technologischen Mittel, die das Europa der 27 gegen die afrikanischen Migrationsströme einsetzt, sind im Grunde die eines richtiggehenden Krieges zwischen dieser Weltmacht und wehrlosen jungen Afrikanern aus Stadt und Land, deren Recht auf Bildung, wirtschaftliche Information, Arbeit und Nahrung von ihren Herkunftsländern mit Füßen getreten werden. Diese Herkunftsländer sind den Strukturanpassungsprogrammen des Weltwährungsfonds unterworfen. Die Afrikaner sind die Opfer makroökonomischer Entscheidungen und Beschlüsse, für die sie in keiner Weise verantwortlich sind. Sie werden gejagt, gehetzt und gedemütigt, wenn sie versuchen, in der Emigration einen Ausweg zu finden. Die Toten, die Verletzten und Versehrten der blutigen Vorfälle in Ceuta und Melilla im Jahr 2005 wie auch die Tausende lebloser Körper, die allmonatlich an den Stränden Mauretaniens, der Kanarischen Inseln, Lampedusas oder sonst wo stranden, sie sind lauter Schiff brüchige der kriminalisierten Zwangsemigration.«8

Im Juni 2007 trat der Rat für Menschenrechte der Vereinten Nationen zu seiner vierten ordentlichen Tagung in Genf zusammen. Der Rat prüfte den Vorschlag, den Hungerflüchtlingen ein Recht auf befristete Nicht-Abschiebung zu gewähren. Es geht darum, genau zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Hungerflüchtlingen zu unterscheiden. Die Wirtschaftsflüchtlinge migrieren, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Die Hungerflüchtlinge fliehen von Not getrieben.

Dieser Notstand ist im internationalen Recht und in den meisten nationalen Rechtssystemen ein wohlbekanntes Konzept.

Ein Beispiel: Der Fahrer eines Rettungswagens, der mit äußerster Geschwindigkeit fährt, um möglichst rasch bei einem Verwundeten einzutreffen, verletzt dabei eine oder mehrere Verkehrsregeln. Aber er handelt »im Notstand«. Seine Nichtbeachtung der Verkehrsregeln wird dadurch für null und nichtig erklärt.

Das Gleiche gilt für den Hungerflüchtling: Das Welternährungsprogramm definiert alle drei Monate die Regionen der Welt, in denen aufgrund von Naturkatastrophen (Dürre, Heuschrecken usw.) oder menschlichen Katastrophen kein Überleben möglich ist.

Der Notstand ist objektiv überprüfbar.

Um zu überleben, muss der Hungernde Grenzen überschreiten. Er tut es illegal. Die Illegalität wird durch den Notstand aufgehoben.

Vorläufig ermöglicht kein Instrument des internationalen Rechts, den Hungerflüchtling zu »entkriminalisieren«. Die Konvention der Vereinten Nationen für den Schutz von Flüchtlingen aus dem Jahr 1951 gewährt das Asylrecht nur den Personen, die aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen verfolgt werden. Diese Kriterien sind nicht ausreichend.

Was das UNO-Abkommen für den internationalen Schutz der Migranten betriff t, dessen Anwendung der internationalen Arbeitsorganisation (und nicht dem Hochkommissar der UNO für Flüchtlinge) obliegt, so gestattet es keine ihrer Bestimmungen, die Hungerflüchtlinge zu entkriminalisieren.

Die einzige Instanz, die gesetzgeberisch handeln kann, ist der Rat für Menschenrechte der Vereinten Nationen, bestehend aus 47 Mitgliedsstaaten, die von der Generalversammlung in New York im Verhältnis zu den Kontinenten für eine (verlängerbare) Dauer von drei Jahren gewählt werden.

Es ist Montag, der 11. Juni 2007, im Genfer Völkerbund-Palast. Die Abendsonne wirft ihre letzten Strahlen auf den schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc jenseits des Sees. Die Luft ist drückend und heiß, trotz der späten Stunde. Über dem See zieht ein Gewitter herauf. Im Westen, hinter dem Jura, versinkt die rote Sonne zwischen schwarzen Wolken.

Der Saal XXII ist überfüllt. Diplomaten, Journalisten, Vertreter der Nichtregierungsorganisationen und UNO-Bürokraten besetzen die Plätze. Auf der Tagesordnung des Menschenrechtsrates steht der Vorschlag zur Schaffung eines temporären Asylrechts für Hungerflüchtlinge. Im Namen der Europäischen Union lehnt die deutsche Diplomatin Anke Konrad den Vorschlag ab.9 Im Imperium der Schande, das von der organisierten Knappheit regiert wird, ist der Krieg nicht mehr vorübergehend, sondern permanent. Er ist nicht mehr eine Krise oder eine Pathologie, sondern der Normalfall. Er ist nicht mehr die »Verfinsterung der Vernunft« – wie Horkheimer/Adorno es in der Dialektik der Aufklärung analysierten –, sondern der eigentliche Daseinsgrund des Imperiums. Die Herren des Wirtschaftskrieges plündern systematisch den Planeten. Sie attackieren die normative Macht der Staaten, sie zerstören die Volkssouveränität, untergraben die Demokratie, verheeren die Natur und vernichten die Menschen und deren Freiheit. Die Naturalisierung der Ökonomie, die »unsichtbare Hand des Marktes« ist ihre Kosmogonie, die Profitmaximierung ihre Praxis.

Ich bezeichne diese Kosmogonie und diese Praxis als strukturelle Gewalt.

Die Verschuldung und der Hunger sind die zwei Massenvernichtungswaffen, die von den Herren der Welt eingesetzt werden, um die Völker, ihre Arbeitskraft, ihre Rohstoff e und ihre Träume zu versklaven.

Von den 192 Staaten des Planeten liegen 122 in der südlichen Hemisphäre. Ihre Auslandsschuld beläuft sich insgesamt auf mehr als 2100 Milliarden Dollar.

Die Außenschuld wirkt wie eine Würgschraube. Der Großteil der Devisen, die ein Land der Dritten Welt durch seine Exporte verdient, dient dazu, die Amortisationstranchen und die Zinsen der Schuld zu bezahlen.

Die Gläubigerbanken des Nordens handeln wie Vampire.

Das Schuldnerland wird ausgeblutet.

Die Schuld verhindert jede konsequente gesellschaftliche Investition in die Bewässerung, die Straßen-, Schul- und Gesundheitsinfrastruktur, und erst recht in einen Industriesektor, welchen auch immer.

Das tägliche Massaker des Hungers geht in eiskalter Normalität weiter. Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger. Alle vier Minuten erblindet jemand aufgrund von Vitamin A-Mangel.

Im Jahr 2007 waren 856 Millionen Menschen – jeder sechste auf unserem Planeten – schwer und dauerhaft unterernährt. Im Jahr 2005 waren es noch 842 Millionen.

Der World Food Report der FAO, der diese Zahlen angibt, versichert, dass die weltweite Landwirtschaft im derzeitigen Entwicklungsstand ihrer Produktivkräfte normalerweise (das heißt mit 2700 Kalorien pro Tag und pro Erwachsenem) 12 Milliarden Menschen ernähren könnte.

Wir sind heute 6,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde.

Konklusion: Es gibt kein unabänderliches Schicksal. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.

Die wirtschaftliche, soziale und politische Weltordnung, die vom Raubtierkapitalismus errichtet wurde, ist nicht nur mörderisch. Sie ist auch absurd.

Sie tötet, aber sie tötet ohne Notwendigkeit.

Sie muss radikal bekämpft werden.

Mein Buch will für diesen Kampf eine Waffe sein.

Wo ist Hoffnung?

In der Weigerung des Menschen, eine Welt zu akzeptieren, in der das Elend, die Verzweiflung, die Ausbeutung und der Hunger einer Vielzahl den relativen Wohlstand einer gewöhnlich weißen Minderheit gewährleistet.

Der moralische Imperativ lebt in jedem von uns.

Es geht darum, ihn zu wecken, den Widerstand zu mobilisieren und den Kampf zu organisieren.

Ich bin der andere, der andere ist ich. Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.

Karl Marx: »Der Revolutionär muss imstande sein, das Gras wachsen zu hören.«

Vom 5. bis zum 7. Juni 2007 hat im Seebad Heiligendamm an der Ostsee das Treff en der Staats- und Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten des Planeten stattgefunden.

 Ein riesiges Metallnetz in der Ostsee, eine Mauer, Stacheldraht über zwölf Kilometer, Kampfschwimmer, ein US-Kriegsschiff, schwarze Apache-Hubschrauber, 16 000 Polizisten, Elitetruppen und Scharfschützen auf allen Dächern in allen Nachbardörfern mussten die Staats- und Regierungschefs schützen.

5000 Journalisten aus der ganzen Welt, die in dem Nachbarort Kühlungsborn zusammengepfercht waren, berichteten über das Ereignis.

In Heiligendamm haben Wladimir Putin, Angela Merkel, George W. Bush und Nicolas Sarkozy und ihre Kollegen versucht, als die Herren der Welt aufzutreten.

Ein rührender Versuch, der ans Lächerliche grenzt, sind doch die meisten unter ihnen – selbst wenn sie demokratisch gewählt sind – nichts anderes als Söldner der real herrschenden Konzerne. Im Jahr 2007 haben die 500 mächtigsten transkontinentalen Privatgesellschaften mehr als 53% des Weltbruttosozialprodukts kontrolliert, das heißt aller Reichtümer (Kapital, Dienstleistungen, Waren, Patente usw.), die in einem Jahr auf dem Planeten geschaffen werden.

Afrika stand im Mittelpunkt der Debatten.

Die zwei wichtigsten Punkte der Tagesordnung betrafen zum einen die »Garantie für Privatinvestitionen« und zum andern die »Universalität des Patentschutzes«. Das Wort »Hunger« kam auf der Agenda von Heiligendamm nicht vor. 

Jenseits der Mauer erstreckten sich, so weit das Auge reichte, über das sandige Mecklenburger Land verstreut, die Zelte und die improvisierten Unterstände der Gegner des G8-Gipfels.

Wir waren mehr als 150 000 Menschen und vertraten soziale Bewegungen, Kirchen und Gewerkschaften aus 41 Ländern. Während des ganzen Gipfeltreffens wurden 120 Workshops, Podiumsdiskussionen und Mahnwachen veranstaltet. In ihnen ging es um die Auslandsschuld, die Hungerflüchtlinge, das Recht auf Trinkwasser, die Auslagerung von Unternehmen, die Lohndiskriminierung von Frauen, die Unabhängigkeit der Zentralbanken, die ungesunden Wohnbedingungen, die einseitige wirtschaftliche Abrüstung der Länder der Dritten Welt, den Terrorismus, die Welthandelsorganisation, die Zwangsprivatisierung öffentlicher Sektoren.


Victor Hugo: »Ihr wollt Beistand für die Armen
– ich will die Abschaffung des Elends.«

Ein neues kollektives Bewusstsein, eine mysteriöse Bruderschaft der Nacht, eine Vielzahl lokaler Widerstandsfronten (deren Koordination noch aussteht) sind im Entstehen begriff en.

Die planetarische Zivilgesellschaft ist das neue historische Subjekt.

Der Ausgang des Kampfes ist ungewiss.

Eine Gewissheit jedoch gibt es: Pablo Neruda erwähnt sie am Ende des Canto General:

»Podrán cortar todas las flores, pero jamás detendran la primavera.«10

(Sie [unsere Feinde] können alle Blumen abschneiden, aber nie werden sie den Frühling beherrschen.)

Jean Ziegler,

Genf, April 2008 


Video:
Was bringt uns die Zukunft?

(Das ZDF-Nachtstudio mit der Reihe „Strategien der Weltverbesserer“ wurde 2012 nach 15 Jahren eingestellt. Der Moderator ist nach 35 Dienstjahren in den Ruhestand gegangen).



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Armutszeugnis


IMMER WIEDER MITTWOCHS
05.02.2014

Das waren noch Zeiten

Wir-haben-abgetrieben-stern

Armutszeugnis

  Zumindest die deutsche Sprache ist klar. Zutreffender können die aktuellen  Zustände  kaum beschrieben werden. Arm an Mut. Ja früher, vor über 40 Jahren, was waren das noch für Zeiten. Da ließ sich die Prominenz noch mit dem Geständnis auf der Titelseite veröffentlichen: „Wir haben abgetrieben.“ Hinter der Aktion am 6. Juni 1971 von 374 Frauen im „stern“ stand damals Alice Schwarzer.

Das Risiko nach Paragraph 218 des Strafgesetzbuches damals: „Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“.

Und heute? Das Thema ist nicht vergleichbar, das Risiko schon. Sicherlich gibt es gute Gründe, auch auf dem Gebiet der Steuern einmal deutlicher als bisher den Finger in die Wunde zu legen. Wie wäre es mal mit einem mutigen „Wir haben Steuern hinterzogen“, vielleicht mit einer schlüssigen Erläuterung, warum eigentlich?

Was erlebt das Publikum statt dessen? Überall reuige und zerknirschte Sünder. „Das war ein Fehler“ geben die an den Pranger Gestellten beflissen zu Protokoll. Die verdiente Emma-Journalistin setzt sogar noch eins drauf. Die bösen Kollegen vom Spiegel haben nicht die Klappe gehalten und „konnten der Versuchung nicht widerstehen“ der verdienten Frontfrau eins reinzuwürgen.

Hinweis
Aus technischen Gründen bleibt es in dieser Woche
bei dieser verkürzten Ausgabe.

   Damit diese Seite nicht als Aufforderung zur einer Straftat interpretiert werden kann, gibt es weiter unten die vorsorgliche Warnung mit anschließendem Wunderheilmittel.

So geht Pranger heute:

Tagesspiegel-Steuersuender

Das Fernsehgericht tagt.
ZDF Mediathek


§ 370 AO – Steuerhinterziehung

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. den Finanzbehörden oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht,

2. die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt oder

3. pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlässt

und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

1. in großem Ausmaß Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt,

2. seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger missbraucht,

3. die Mithilfe eines Amtsträgers ausnutzt, der seine Befugnisse oder seine Stellung missbraucht,

4. unter Verwendung nachgemachter oder verfälschter Belege fortgesetzt Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt, oder

5. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Taten nach Absatz 1 verbunden hat, Umsatz- oder Verbrauchssteuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Umsatz- oder Verbrauchssteuervorteile erlangt.

(4) Steuern sind namentlich dann verkürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden; dies gilt auch dann, wenn die Steuer vorläufig oder unter Vorbehalt der Nachprüfung festgesetzt wird oder eine Steueranmeldung einer Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung gleichsteht. Steuervorteile sind auch Steuervergütungen; nicht gerechtfertigte Steuervorteile sind erlangt, soweit sie zu Unrecht gewährt oder belassen werden. Die Voraussetzungen der Sätze 1 und 2 sind auch dann erfüllt, wenn die Steuer, auf die sich die Tat bezieht, aus anderen Gründen hätte ermäßigt oder der Steuervorteil aus anderen Gründen hätte beansprucht werden können.

(5) Die Tat kann auch hinsichtlich solcher Waren begangen werden, deren Einfuhr, Ausfuhr oder Durchfuhr verboten ist.

(6) Die Absätze 1 bis 5 gelten auch dann, wenn sich die Tat auf Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben bezieht, die von einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union verwaltet werden oder die einem Mitgliedstaat der Europäischen Freihandelsassoziation oder einem mit dieser assoziierten Staat zustehen. Das Gleiche gilt, wenn sich die Tat auf Umsatzsteuern oder auf die in Artikel 1 Absatz 1 der Richtlinie 2008/118/EG des Rates vom 16. Dezember 2008 über das allgemeine Verbrauchsteuersystem und zur Aufhebung der Richtlinie 92/12/EWG (ABl. L 9 vom 14.1.2009, S. 12) genannten harmonisierten Verbrauchsteuern bezieht, die von einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union verwaltet werden.

(7) Die Absätze 1 bis 6 gelten unabhängig von dem Recht des Tatortes auch für Taten, die außerhalb des Geltungsbereiches dieses Gesetzes begangen werden.

AO = Abgabenordnung


§ 371 AO – Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung

(1) Wer gegenüber der Finanzbehörde zu allen unverjährten Steuerstraftaten einer Steuerart in vollem Umfang die unrichtigen Angaben berichtigt, die unvollständigen Angaben ergänzt oder die unterlassenen Angaben nachholt, wird wegen dieser Steuerstraftaten nicht nach § 370 bestraft.

(2) Straffreiheit tritt nicht ein, wenn

1. bei einer der zur Selbstanzeige gebrachten unverjährten Steuerstraftaten vor der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung

a) dem Täter oder seinem Vertreter eine Prüfungsanordnung nach § 196 bekannt gegeben worden ist oder

b) dem Täter oder seinem Vertreter die Einleitung des Straf- oder Bußgeldverfahrens bekannt gegeben worden ist oder

c) ein Amtsträger der Finanzbehörde zur steuerlichen Prüfung, zur Ermittlung einer Steuerstraftat oder einer Steuerordnungswidrigkeit erschienen ist oder

2. eine der Steuerstraftaten im Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung ganz oder zum Teil bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste oder

3. die nach § 370 Absatz 1 verkürzte Steuer oder der für sich oder einen anderen erlangte nicht gerechtfertigte Steuervorteil einen Betrag von 50 000 Euro je Tat übersteigt.

(3) Sind Steuerverkürzungen bereits eingetreten oder Steuervorteile erlangt, so tritt für den an der Tat Beteiligten Straffreiheit nur ein, wenn er die aus der Tat zu seinen Gunsten hinterzogenen Steuern innerhalb der ihm bestimmten angemessenen Frist entrichtet.

(4) Wird die in § 153 vorgesehene Anzeige rechtzeitig und ordnungsmäßig erstattet, so wird ein Dritter, der die in § 153 bezeichneten Erklärungen abzugeben unterlassen oder unrichtig oder unvollständig abgegeben hat, strafrechtlich nicht verfolgt, es sei denn, dass ihm oder seinem Vertreter vorher die Einleitung eines Straf- oder Bußgeldverfahrens wegen der Tat bekannt gegeben worden ist. Hat der Dritte zum eigenen Vorteil gehandelt, so gilt Absatz 3 entsprechend.

AO = Abgabenordnung


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Neid und Missgunst

IMMER WIEDER MITTWOCHS
22.01.2014

So eine Gemeinheit

Kann tödlich sein   Die menschlichen Abgründe, so tragisch sie sind, was wären wir ohne sie. Die Bücherschränke wären leer. Unzählige Dichter hätten sich schon arbeitslos melden müssen. Fernsehsender und Filmstudios wären längst pleite.

   Das Unheil droht all jenen Frauen und Männern, die sich über den Tellerrand wagen. Schuster bleib bei Deinen Leisten. Dieses Volksempfinden ist noch längst nicht ausgestorben Totgesagte leben länger. Da können noch so viel Innovations- Literatur- und Filmpreise vergeben oder Unternehmer und Unternehmerinnen des Jahres gekürt werden.

   Wir sprechen von Neid und Missgunst. Der Neid hält sich als Todsünde seit biblischen Zeiten, obwohl er seit jeher seine zerstörerische Kraft hauptsächlich gegen die Neider selbst richtet. Denn die sind ausnahmslos verblichen, während die Werke der Beneideten nicht selten die Jahrhunderte überstehen.

   Die Propagandaschlacht ums Mittelmaß ist noch lange nicht entschieden. Das haben wir schon an anderer Stelle im Zusammenhang mit der Wachstumsgläubigkeit bereits erörtert  (Propagandaschlacht Wachstum). Auch Neid und Missgunst werden nicht zuletzt von durchsichtiger Propaganda geschürt.

   Propaganda reicht zur Erklärung von Neid und Missgunst allerdings nicht aus. Mit ihrer Hilfe lassen sich Neid und Missgunst sehr gut in gewünschte Bahnen lenken. Geradeso, wie es den Propagandisten eben passt. Wenn wir aber weiter dahintersteigen wollen, bemühen wir am besten wieder das Problemgesetz:

Das Problemgesetz
Die Probleme der Menschen
In den meisten Fällen
sind sie das Resultat
unzureichender

Bildung
Ausbildung
Information
Kommunikation

   Propaganda fällt in den Bereich Information. Hinsichtlich Neid und Missgunst heißen die Schlüsselworte Bildung und Ausbildung. Persönliche  Charaktere  entstehen nicht zuletzt  durch Bildung. Wenn  es da  große  Lücken gibt, ist  das  Scheitern in vielen Lebensbereichen nicht weit.

   Das führt zwangsläufig zu der banalen Tatsache, dass der eine manches hat und der andere eben nicht. Im schlimmsten Fall entstehen aus diesem Sachverhalt kriminelle Handlungen. Der eine beklaut den anderen. Zum Glück sind Mord und Totschlag noch nicht die gesellschaftliche Norm.

  Kaputtmacher  Die Kriminalstatistik hält sich vielleicht nur deshalb in Grenzen, weil es das Ventil von Neid und Missgunst gibt. Die Neidischen hätten gern das, was die anderen besitzen und eignen sich das im Geiste an. Dazu müssen sie es den rechtmäßigen Besitzern madig machen.

   Sie machen kaputt, was sie kaputt macht, nämlich dass andere etwas erreicht, geschaffen oder zuwege gebracht haben und sie eben nicht. Sie empfinden die Last des Versagens und brauchen einen Ausgleich. Es ist ein bitteres Defizit. Nur weil sie glauben, es nicht besser zu können, begeben sich neidische, missgünstige Menschen auf den Pfad der Zerstörung, auch der eigenen.

  Neid und Missgunst sind der ideale Nährboden für Ideologien aller Art. Jeder wird dann gegen jeden ausgespielt. Die Interessengruppen ringen um den kleinsten Platzvorteil und bedienen die eingebrannten Vorurteile.

   Statt nachhaltiger Besinnung und Veränderung wird immer und immer wieder mal eine Sau durchs Dorf getrieben. Eine beliebte Zielgruppe sind hierzulande die Reichen und Wohlhabenden. Statt selber reich zu werden, vergnügt man sich auf der Treibjagd, Eintritt frei.

   Wann kommt endlich neue Hehlerware in modisch digitaler CD-Form auf den Markt? Wann kommt endlich eine ordentliche Reichensteuer? Wann wird der nächste Topmanager fernsehwirksam vom Staatsanwalt abgeführt? Wann wird der nächste prominente "Steuersünder" öffentlich an den Pranger gestellt? Der Beifall ist sicher.

   Nicht dass wir uns missverstehen. Ungesetzliches Verhalten muss verfolgt werden, ohne Rücksicht auf die Person. Für die Besteuerung der Bürger gibt es Gesetze, und die sind von jedem einzuhalten. Wenn eine Stiftung nach der anderen in der Steueroase oder im Offshoreland auffliegt, sind das keine Bagatellen.

   Wenn der klamme Ministerpräsident auf dem Weg zum Bundespräsidialamt vom väterlichen Freund mit Schweizer Domizil über dessen Ehefrau mal eben eine halbe Million fürs Häuschen rübergeschoben bekommt, verdient das schon unsere Aufmerksamkeit. Wenn der Vorstand des Industriekonzerns es zulässt, dass zur SonderzuwendungenAuftragsvergabe ausländische Staatsdiener mit Sonderzuwendungen beglückt werden, ist das ein Skandal. Der Zweck heiligt keineswegs die Mittel.

   Reichtum und Wohlstand sind angenehm. Politische Privilegien und gesetzliche Sonderbehandlungen sind daraus aber nicht abzuleiten. Dennoch bemühen sich Eventmanager immer wieder, Sonderzugänge  für die Leistungsträger der Nation im Regierungsviertel freizuschaufeln. Schnittchen am Buffet dürfen durchaus den kleinen Hunger stillen. Wenn Sie die große Gier entfachen, ist klar und eindeutig die rote Karte gefragt.

   Ein ganz anderes Thema ist es, wie mit den Leuten umgegangen wird, wenn sie den Anschein erweckt haben, sie hätten sich etwas Besonderes herausgenommen. Es darf ruhig einmal darauf geschaut werden, wie sie überhaupt in diese Situation kommen konnten. Von nichts kommt nichts. Die Mindestlohnbezieher und auch die besser gestellten Kollegen und Kolleginnen in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen haben schon einmal von Hause aus gar nicht die "steuergestalterischen" Möglichkeiten wie jene, die ihnen ihr Gehalt zahlen.

   Das Finanzamt bekommt den Beitrag fürs Gemeinwohl direkt aus den Lohntüten. Da kommen erst gar keine dummen Gedanken auf. Die Arbeitgeber Kleinvieh macht auch Mistsind auf diese Weise die freien Mitarbeiter des Finanzministers. Was den höheren und ganz hohen Einkommensschichten im Gegensatz zu den Kleinverdienern Probleme bereitet, ist die völlig legale Möglichkeit der Steuergestaltung. Dazu haben sie mindestens ein ganzes Jahr Zeit. In dieser Zeit kann einiges über die Grenze geschafft werden. Papier ist geduldig und Helfer und Berater gibt es genug.

   Man könnte ganz banal feststellen: Gelegenheit macht Diebe. Kein Gesetz ohne Übertretung. Wenn es anders wäre, bräuchte man keine. Die Menschen zieht es dorthin, wo es am günstigsten für sie ist oder wo sie es für sie am günstigsten halten. Das ist nicht immer klug. Es ist aber einfach so. Der Weg zum eigenen Vorteil genießt  Kultstatus. Das ist in Bezug auf Steuern nicht anders.

  Die Gefahr, dass er sich im Gestrüpp der Steuergesetzgebung verheddert, ist für den schlichten Lohnsteuerzahler sehr gering. Er braucht keine Beratercrew. Er könnte sie auch gar nicht bezahlen. Bei ihm heißt die Endstation Lohnsteuer-Jahresausgleich.

   Die Berater werden weltweit selbst reich, weil sie den Reichen dabei helfen noch reicher zu werden und vor allem auch reich zu bleiben.  Dabei passieren dann  die tollsten Dinge.  Am  Ende  muss sich dann  der Präsident eines erfolgreichen Fußballvereins mit gleich mehreren Strafanträgen auseinandersetzen, weil Steuern in Millionenhöhe an der Staatskasse vorbeigeflossen sind.

   Das ist natürlich ein handfester Skandal und für einen Mann im Brennpunkt des öffentlichen Lebens nicht gerade ein Ruhmesblatt. Das soll hier aber nicht der Gegenstand der Erörterung sein und vor allem nicht schöngeredet werden. An solchen skandalträchtigen Ereignissen lässt sich immer wieder vortrefflich studieren, wie Neid und Missgunst, schlimm genug dass es sie überhaupt gibt, auch noch kräftig geschürt werden können. Ist der Mann noch zu retten?

   Diese Frage stellt sich in Problemlagen für die wirklich Großen nicht. Die haben schon lange eine blendende Geschäftsidee kultiviert. Werde einfach so groß und mache soviel Menschen von Dir abhängig, dass Dir nichts passieren kann und Du mit Staatsgeldern gerettet werden musst, weil sonst alles zusammenbricht.

   Die Jagd ist eröffnet Dennoch wird die Jagdsaison immer wieder mal eröffnet. Das begehrte Wild sind Banken, Reiche und Steuerflüchtlinge. Da gilt es einiges zur Strecke zu bringen. Vor den Flinten hetzen die Gejagten durchs Unterholz. Ein Freund der Banken muss man wahrlich nicht sein. Sicherlich geht auf keine Kuhhaut, was ein Großteil der illustren Institutionen auf dem Kerbholz hat. Aber …

   Dass den Geldgiganten immer wieder die alleinige Schuld für aktuelles Elend zugeschoben wird, kann auch als durchsichtiger Schuss in den Nebel interpretiert werden. Ebenso wenig wurde jemals der Beweis dafür erbracht, dass die Schwachen gestärkt werden, wenn man die Reichen schwächt. Wer also die Reichen plündert, macht die Armen noch lange nicht reich.

   Man mag mit den Zähnen knirschen ob des Drecks am Stecken. Dennoch ist es gefährlich, Ursache und Wirkung  in einen Topf zu werfen. Außerdem gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Wie alle anderen auch, bewegen sich Banker im Rahmen von gültigen gesetzlichen Normen, Fehltritte nicht ausgeschlossen. Auch diese Leute kommen nicht mit einem Gangstergen zur Welt.

   Gesetze fabrizieren Politiker und Politikerinnen. Die sind nicht ihren Wähler gegenüber verantwortlich, sondern handeln dem Grundgesetz zufolge ausschließlich nach ihrem Gewissen. Das Gewissen ist eine komplexe Geschichte und anfällig für Unzulänglichkeiten. Das nehmen wir am besten als gegeben zur Kenntnis und bewerten es nicht.

   Wir können uns aber einen Reim darauf machen, warum es in Gesetzen immer wieder so vImmer wieder Gesetzeslückeniele Lücken gibt und sie vom Bundesverfassungsgericht gelegentlich komplett  in der Papierkorb befördert werden. Die Lücken können mit fachlichen Sachverstand zu manchem Vorteil genutzt werden. Sachverstand ist käuflich zu erwerben. Dazu wird Geld benötigt und das haben reiche Leute in größerem Umfang als weniger Begüterte.

   Wenn der beratende Sachverstand mal danebenliegt und das Geld eigentlich doch in der Staatkasse hätte ankommen müssen statt in der Schweiz, Liechtenstein oder auf den Cayman Inseln, sind die Berater zunächst aus dem Schneider und die Geldbesitzer die Gejagten. Wir müssen nicht unbedingt vor Mitleid zerfließen, können uns aber fragen was wir in der Rolle der Vermögensinhaber selbst so alles getan oder unterlassen hätten, vor allem bei so teurer Beratung.

   Diese Frage fällt aber meistens unter den Tisch, vor allem bei denen, deren Widerwillen gegen die "reichen Säcke" auf Dauer kultiviert worden ist. Zu Neid und Missgunst gesellt sich schnell Schadenfreude, wenn's mal wieder einen erwischt hat.

    Sie lesen hier eine Betrachtung, die aus einem finanziellen Trainingsprogramm entnommen ist. In diesem kleinen Projekt, weit ab von jedem Steuerparadies, wird beispielhaft ein geringer Zuverdienst von 199.000 Euro in 500 Tagen organisiert. Dafür macht ein ordentlicher Milliardär keinen Finger krumm. Wenn Sie die Sache aber jemandem anbieten, der mit seinen Finanzen gerade mal so über die Runden kommt, haben Sie auch nicht immer die besten Karten.

   Denn wer gewohnt ist, seine Lebenszeit für ein paar  Euro monatlich zu tauschen, wird Ihnen nicht sofort um den Hals fallen, wenn Sie ihm neue Wege aufzeigen. Vielleicht zeigt er Ihnen eher den Vogel. Das ist nicht weiter schlimm. Was nicht ist kann ja noch werden. Unzählige Menschen auf dieser Welt haben es schon erlebt: man kann durchaus klüger werden. Das gelingt erstaunlicherweise besser, wenn die gängigen Bildungsrituale teilweise umschifft werden. Neid und Missgunst verblassen, je besser sich das persönliche finanzielle Umfeld entwickelt.

   Neid und Missgunst sind Energieräuber. Sie verstellen außerdem in ihrer engen individuellen Ausrichtung den Blick darauf, was tatsächlich im großen Stil abläuft. Irgendwo hört der Spaß auf. Dass das große Ganze nicht aus dem Blickfeld gerät, verdanken wir auch einem Beitrag von Arte, vom 10.09.2013

ZEITBOMBE STEUERFLUCHT

Eine Dokumentation von Xavier Harel, in Zusammenarbeit mit Rémy Burkel

Willkommen im Steuerparadies
Von Barbados bis Liechtenstein – wo Steuersünder ihr Geld vor dem Fiskus verstecken

Internationale Konzerne können Milliardengewinne erwirtschaften, ohne Steuern zahlen zu müssen. Wohlhabende Bürger wiederum bringen ihre Reichtümer mit Hilfe des Schweizer Bankgeheimnisses oder durch in Jersey ansässige Firmen vor dem Fiskus in Sicherheit. Finanzexperte und Journalist Xavier Harel bietet einen fesselnden Einblick in den Wirtschaftszweig Steuerflucht. Er enthüllt Steuersparmodelle, reist in Steuerparadiese und deckt den Zynismus der Banken auf.


Video:
Zeitbombe Steuerflucht

(Abendfüllender Krimi –  jede Minute lohn sich)


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Der Arschloch-Faktor

IMMER WIEDER MITTWOCHS
15.01.2014

Der Arschloch-Faktor

Bitte lesen Sie diesen Text NICHT wenn Sie gerade besonders gut drauf sind.
Verschieben Sie die Lektüre auf einen  Zeitpunkt, an dem Sie an sich
oder an der Menschheit verzweifeln, Sie sich besonders über jemanden ärgern
oder Sie jemand schikaniert hat.

Unworte

„… die Arschlöcher vermehren sich wie die Kaninchen.“ 
(Zitat: Hans R. Beierlein)

   Der Bundesverdienstkreuzträger  Hans R. Beierlein machte nicht nur Udo Jürgens groß. Auch Heino, Stefanie Hertel, Patrick Lindner, Florian Silbereisen und andere sollen ihm laut Wikipedia einiges zu verdanken haben. Der Mann kennt sich im Volkstümlichen aus und wird wissen, wovon er spricht.

 Pferdekopf-Fotolia_9270047_XS-168x178  Jeder kennt einige dieser kaninchengleichen Spezies. Es ist aber riskant, sie so zu bezeichnen. Es droht der Konflikt mit dem Strafgesetzbuch, vor allem, wenn der Angesprochene ein Beamter ist. Der Chef des Bundeskanzleramts darf zum Parteifreund schon mal sagen: „Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen, ich kann Deine Scheiße nicht mehr hören“. Das geht eben noch durch, vor allem,  wenn der so angesprochene Abgeordnete und Innenpolitiker Wolfgang Bosbach aus der Reihe tanzt und im Parlament gegen die Milliardenzahlung für den EU-Rettungsschirm stimmt.  Die Erinnerung geht zurück in den Herbst 2011.

Das war schließlich ein glatter Affront gegen die Kanzlerin. Selbstverständlich brachte das ihren Adlatus Ronald Pofalla auf die Palme. Es ist nicht überliefert, ob der Kanzleramtsminister, ausgebildete Sozialpädagoge und Jurist bereits damals resigniert und verzweifelt den Umstieg in den Vorstand der Deutsch Bahn AG ins Auge gefasst hat.

Öffentlich ist nicht so gut. Für sich selbst oder im engen vertrauten Kreis ist die Verwendung des Hinterteils als entlastendes Schimpfwort aber unverzichtbar. Sie ist vor allem geeignet, Schlimmeres zu verhüten. Der kürzlich in Florida in einem Kino erschossene 43 Jährige Mann könnte noch leben, wenn der Todesschütze sich mit dem besagten Unwort Erleichterung verschafft hätte. Stattdessen hat er den Kinobesucher vor den Augen seiner Frau über den Haufen geknallt, weil der mit seinem Smartphone rumhantiert hat. Diese Allgegenwärtigkeit von Handyterror ist natürlich auch hierzulande ein Problem. Statt Knarre tut es aber auch ein unhörbares „Arschloch“ in Richtung der Nervensäge. Das entspannt.

Die Verwendung solcher Ausdrücke ist natürlich keine korrekte Umgangsform, auch wenn sie lautlos benutzt werden. Das haben wir zu recht so gelernt. Nun leben wir aber in stressigen Zeiten. Manchmal weiß man sich ja wirklich kaum mehr zu helfen. Das Problem ist allerdings schon vor einiger Zeit erkannt worden. Auf diese Weise ist das „Arschloch“ literatur- und zitierfähig geworden. Den Mut zu dieser Textveröffentlichung verdanken Sie unter anderem der Tatsache , dass der Verfasser dank des neueren deutschen Filmtitels „FACK JU GÖTHE“ wegen seiner Überschrift über diese Veröffentlichung nicht das Schlimmste befürchten muss. (3 Millionen Kinobesucher in kurzer Zeit  können nicht irren. eine Vorschau gibt es hier).

   Im Bücherregal stehen schon seit 2007 das Werk vom renommierten Stanfordprofessor Robert I. Sutton „DER ARSCHLOCH-FAKTOR (erschienen im deutsche Hanser Verlag, inzwischen auch als Heyne Taschenbuch) und „Der A-Quotient, Theorie und Praxis des Lebens mit Arschlöchern“. Gerade dieses im Jahre 2005 bei Zweitausendeins erschienene Büchlein des Theaterwissenschaftlers, Drehbuchautors, Fernsehredakteurs und Regisseurs, Charles Lewinsky ist geeignet gepeinigte Seelen vor dem Verderben zu retten.

  

Sutton geht das Phänomen von der unternehmerischen Seite an. Untertitel: „Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen.“ Lewinsky packt das Unheil allgemeiner bei der Wurzel.

   Lassen wir zunächst den Klappentext zum Werk des Professors sprechen:

   „Wir alle kennen sie: die Wichtigtuer, Intriganten, Tyrannen und Egomanen im Berufsleben – und wir haben eine sehr einprägsame Bezeichnung für diese Spezies, die uns das Leben oft genug schwer macht …Dieses rotzfreche Buch von Robert Sutton, renommierter Management-Autor und Professor in Stanford, liefert den Beweis: Arschlöcher sind nicht nur eine unerträgliche Zumutung für ihre Mitmenschen, sondern schaden dem Unternehmen massiv – auch und gerade wenn sie an dessen Spitze stehen. Wie lassen sich Arschlöcher sicher identifizieren und entschlossen kaltstellen? Dieses Buch öffnet uns die Augen. Es verhilft den Unterdrückten des Arbeitsalltags zu ihrem Recht und ist Balsam für alle, die sich am Ende ihres Bürotags nur noch eins wünschen: Nichts wie raus hier. Ein respektloser Leitfaden mit einer Fülle von nützlichen Ideen, wie man Arschlöcher zum Teufel jagt, ihnen – wenn das nicht geht – optimal ausweicht oder sich (schlimmstenfalls) eine erträgliche Nische sucht, wo man seine Ruhe vor ihnen hat …“

Hier noch 3 Leseproben des Verlags:

DER ARSCHLOCH-FAKTOR Leseprobe 1 – Inhaltsverzeichnis

DER ARSCHLOCH-FAKTOR Leseprobe 2 – Vorwort

DER ARSCHLOCH-FAKTOR Leseprobe 3 – Kapitel 1

Jetzt zum Klappentext „Der A-Quotient“ von Charles Lewinsky:

A-Quotient-Buchcover

   „Einstein schrieb einst an einen Freund über die gescheiterte Hoffnung, aus nationalistischen Spießern Demokraten zu machen:
„Wir empfanden beide nicht, wie viel mehr im Rückenmark sitzt als im Großhirn, und wieviel fester es sitzt“

   Charles Lewinsky setzt den Ort bestimmter Denkweisen noch etwas tiefer an. Folgerichtig stellt der Autor in seiner kleinen Schmähschrift dem Kopfdenker den Arschdenker gegenüber und klärt mit dieser These zum Beispiel die Frage nach dem Ursprung einer Fernsehsendung wie Deutschland sucht den Superstar“ oder Weshalb George W. Bush Präsident nicht nur werden sondern auch bleiben konnte“ (Hans-Günter Pflaum, Die Presse, Wien).

   Das erste und einzige umfassende Standardwerk zum Verständnis und zum Diagnostizieren der menschlichen Volksseuche Nr. 1. Für Arschdenker ist „überlegen“ nicht etwas, das man tut, sondern etwas, das man ist. Mumpiz, den man sich aus Bild oder Bibel zusammengeschnorrt hat, wird als eigene Meinung ausgegeben und als unwiderlegbare Tatsache hingestellt. Nie zuvor wurde dieses Phänomen so stringent analysiert. Das kleine Buch ist eine unschätzbare Lebenshilfe. Kann man die Arschlöcher erst einmal zweifelsfrei erkennen, ist es leichter, sie zu ertragen oder sogar zu bekämpfen.“ (Falko Rademacher, Eulenspiegel, Berlin).

„Der Mensch kann auf zwei Arten denken: mit dem Kopf und mit dem Arsch. Die Leistungsfähigkeit des einen Denksystems messen wir als IQ (Intelligenz-Quotient), die des anderen als AQ (Arschloch-Quotient).“

„Die Profis sterben aus, und die Arschlöcher vermehren sich wie die Kaninchen.“ (Hans R. Beierlein)

Dieser Link führt zu einer Leseprobe direkt auf Charles Lewinskys Webseite

 Zwei weiteren Kostproben aus dem unentbehrlichen Erstehilfe-Set für die schwere Plage:

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 „Der oft zitierte gesunde Menschenverstand ist im Arsch angesiedelt. Er sorgt für rote Backen, eine geregelte Verdauung und die wohlige Gewissheit, immer Recht zu haben. Auch wenn man den größten Scheiß erzählt“. (Seite 46)

„Sich ein Urteil bilden ist anstrengend. Vorurteile dagegen fallen leicht. Das allein verschafft dem Arsch einen riesigen Vorteil gegenüber dem Kopf. Und das ist keineswegs der einzige. (Seite 47)

 Es gilt natürlich als klar vereinbart, dass Leser und Leserinnen dieses Textes nicht nur annähernd dem Verdacht ausgesetzt sind, mit der beschriebenen Teilmenge von Zeitgenossen und Genossinnen irgendwie in Verbindung gebracht zu werden. Zur heutigen Erörterung war außerdem ein ganz anderes Thema vorgesehen.

 Der Themenwechsel ist dadurch zustande gekommen, dass dieser Tage wieder besonders die Rückbesinnung auf das Standardwerk von Charles Lewinsky geboten war. Der Mensch gönnt sich ja sonst nichts und so sucht Deutschland nicht nur den Superstar sondern kürt auch Unworte des Jahres. Der A-Quotient gibt ganz klar darüber Auskunft, mit welchem Körperteil hier gedacht wird, wenn als Favoriten „Sozialtourismus“ und „Armutszuwanderung“ zur Auswahl stehen..

Dass der Arsch  bei den Wortschöpfungen mitgedacht hat, geht vermutlich über einen Anfangsverdacht  weit hinaus. Das Rennen hat für das vergangene Jahr schließlich  „Sozialtourismus“ für sich entschieden. Das hat die Jury pressewirksam gemeldet. Das kaum von Armut betroffene Gremium, vier Sprachwissenschaftler und ein Journalist, haben sich wohl kaum Gedanken über die Redewendung „Kacke am Dampfen halten“ gemacht, um mal im Sprachbild zu bleiben. Die weithin als unsäglich kritisierten Sprüche werden so jedenfalls am Köcheln gehalten. Kreative Prämierungsarbeit könnte man sich durchaus auch anders vorstellen.

Aber was soll’s? „Die Menschen sind so, stellte Konrad Adenauer einmal fest. Es gibt keine anderen.“ (Fundstelle: Der A-Quotient, Seite 126)


Video:
FACK JU GÖHTE Trailer


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Propagandaschlacht Wachstum

IMMER WIEDER MITTWOCHS
08.01.2014

Tödliches Wachstum, nein danke

Baby-Maßband   Groß ist die Freude, wenn der Nachwuchs wieder einen Zentimeter zugelegt hat. Anfangs erfolgt die Wachstumskontrolle per Maßband im Liegen, später mit Lineal und Strich an der Wand. Aber irgendwann ist Schluss. Der Mensch wächst plötzlich nicht mehr. Er gilt als ausgewachsen und ist fortan ein Erwachsener.

   Das Schicksal teilt er mit so ziemlich allem, was auf dieser Erde lebt. Kein Baum ist je in den Himmel gewachsen. Die anderen Lebewesen haben das schnell kapiert. Nur die Krone der Schöpfung, der Mensch, musste erst eine auf die Nuss kriegen, bevor er das Wachstumsgesetz mitgekriegt hat.

   Wenn er schon so klein bleiben musste, obwohl er sich bis zum heutigen Tag für das Größte hält, wollte er schon in frühen Zeiten einen Turm bis in den Himmel bauen. Das Experiment ist kläglich gescheitert. Seit dem Turmbau zu Babel müssen die Menschen zur Strafe in den Fremdsprachenunterricht gehen, wenn sie sich grenzüberschreitend verständigen wollen.

   Ein Mensch wäre aber kein Mensch, wenn er so schnell aufgeben würde. Seit Bücher gedruckt, Kassetten bespielt, Videos aufgenommen und Interviews gesendet werden können, bekommt er die Botschaft ins Gehirn gemeißelt, dass er nicht aufgeben solle. Dazu wird immer wieder gern ein englischer Zigarrenraucher bemüht: „Gib niemals auf, nie, nie, nie …“. Historiker meinen, dass ohne diese Beharrlichkeit von Sir Winston Churchill noch Schrecklicheres in Europa passiert wäre.

   Durchhaltevermögen hat sich in der Tat immer wieder als Erfolgs- und Überlebenseigenschaft entpuppt. Allerdings hat im Verlaufe der Menschheitsgeschichte, bis in die jüngste Zeit hinein, die beharrliche Verfolgung von Holzwegen leider immer wieder zu verheerenden Katastrophen geführt.Wachstum-Grosser-Mann-kleiner-Mann

   Da sie selbst nicht endlos wachsen können, haben sich findige Menschen auf die Produktion von Wachstum in anderen Gebieten verlegt.  Dabei haben sie es tatsächlich geschafft, dass zum Beispiel Wirtschaftswachstum in die Sphäre einer Staatsreligion aufgestiegen ist. Nur Wachstum sichert unendlichen Wohlstand, sagen sie. Ohne Wachstum bricht alles zusammen Das ist in der in der Wirtschafts- und Finanzwelt die Heilige Schrift. So wird es gelehrt und praktiziert. Alles andere ist Ketzerei und fällt der Inquisition anheim.

   Der Staatshaushalt muss wachsen, die Firmen müssen immer größer werden. Globalisierung ist angesagt. Die Großen fressen die Kleinen und die Schnellen die Langsamen. Diese neuen Gesetze sind fest etabliert. Da kann der einzelne Mensch natürlich nicht zurückstehen. Er muss mehr verbrauchen, anders geht es nicht. wer will schon als Spielverderber dastehen?

   Die Weltbevölkerung wächst, das ist selbstverständlich nicht von der Hand zu weisen. Klar, dass da auch der Verbrauch wächst. Dabei ist natürlich die Frage, ob die „Verbraucher“ auch tatsächlich alles brauchen, was sie verbrauchen. Lassen wir das generell einmal dahingestellt.

   Kümmern wir uns nur um die „Warengruppe“ Ernährung.  Da fällt dann doch auf, dass die Nachfrage nach Nahrung schneller wächst als die Weltbevölkerung. Mit dem Bruttosozialprodukt steigt auch der Kalorienverbrauch pro Kopf. Mit wachsendem Wohlstand wird mehr gegessen* und nicht nur über den Durst getrunken.

   Auch die Essgewohnheiten ändern sich. Es kommt nicht nur mehr auf den Tisch, sondern auch andere Gerichte aus dem Topf. Gesundheitsexperten mögen es beklagen, mehr Fleisch ist angesagt. Für das Steak muss mehr Futter produziert werden. Das erfordert zudem mehr Ackerland. Mehr Anbaufläche verschlingt wiederum  zusätzlich Wasser und vernichtet die Wälder. Ein Teufelskreis.(siehe *Quelle)

   Nicht genug, dass mehr und anders gegessen wird als vielleicht gut ist, Essen wird immer mehr zur Freizeitbeschäftigung, zum Event. Das soll alles hier nicht bewertet werden. Wir erkennen aber, warum die Wachstumslobby so ungehindert agieren kann. (siehe *Quelle)


* Quelle: Stephen Emmott, ZEHN MILLIARDEN
(Warnung: Nehmen Sie dieses Buch nicht als einzigen Lesestoff mit in den Urlaub. Es wird Ihr erstes Buch im Umfang von 204 Seiten sein, das Sie in einer Stunde ausgelesen haben.)


  Ersparen wir uns an dieser Stelle das Horrorszenario, was für die übrigen Produktgruppen von der modernen Zivilisation alles niedergemetzelt werden muss. Jedenfalls sieht sich die Menschheit vor Herausforderungen gestellt, die mit dem simplen Schlachtruf nach immer mehr Wachstum nicht zu bewältigen sind.

   Kaum ein Mensch hält sich für blöd. Trotzdem gelingt die Verblödung immer wieder. Wie es dazu kommt, ist inzwischen gut erforscht aber wenig publiziert. Das ist kein Wunder, wie mit allen Dingen die wenigen nur deshalb nützen, wenn viele davon keine Ahnung haben.

   In Kriegen produziert jede Nation oder Kriegspartei Propagandamaterial. Seitdem Filme unser Leben bereichern, werden Propagandafilme bevorzugt. Sie schüren die Begeisterung der Soldaten fürs Vaterland bis zum bis zum bitteren Tod und sie werfen den üblen Feind als das Schreckliste an die Wand, was einem Menschen auf Erden je widerfahren kann.

   Weil die Menschen an sich nicht blöd sind, durchschauen sie diese Propaganda oft schnell, vor allem weil Sie wissen, was vom wem verbreitet wird und wem es nutzen soll. (Das gleiche spielt sich übrigens auch in der Werbung ab.) Das nutzt den gar nicht so Blöden aber nicht viel. Sie fallen trotzdem über kurz oder lang auf die Propaganda rein. Deswegen verzichtet bis heute auch niemand auf die Propagandaproduktion.

   Dass die Propaganda trotz allem funktionierte war zunächst rätselhaft. Man hat es dann schließlich herausgefunden woran es liegt.  Machen wir an dieser Stelle eine Anleihe aus dem gut recherchierten Buch von Rolf Dobelli „Die Kunst des klugen Handelns“.

   „Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel – vor allem, weil man damals schon wusste, dass die Überzeugungskraft von Argumenten mit der Zeit nachlässt. Sie zerfällt, wie eine radioaktive Substanz. Das haben Sie schon selbst erlebt: Sie lesen einen Artikel, zum Beispiel über Gentherapie. Unmittelbar nach der Lektüre sind sie Feuer und Flamme, doch nach Wochen wissen Sie schon nicht mehr so genau, warum. Nachweiteren Wochen ist von Ihrer Begeisterung kaum noch etwas übrig.

   Bei der Propaganda ist es erstaunlicherweise umgekehrt. Wird jemand von Propaganda beeinflusst, steigt die Überzeugungskraft mit der Zeit an. Warum? Der Psychologe Carl Hovland, der die Studien für das amerikanische Kriegsministerium leitete, nannte dieses Rätsel Schläfereffekt (Sleeper Effect, der Begriff ist der Spionage entlehnt).

   Die zurzeit beste Erklärung für den Effekt: Das Wissen um die Quelle zerfällt schneller als die vorgebrachten Argumente. Anders ausgedrückt: Das Hirn vergisst relativ schnell, woher die Informationen kamen (vom Propagandaministerium), aber es vergisst nicht so schnell die Information an sich (der Krieg ist nötig und eine gute Sache). Deshalb gewinnen Informationen aus einer unglaubwürdigen Quelle mit der Zeit an Glaubwürdigkeit. Die entwertende Komponente schmilzt schneller dahin, als der Inhalt der Botschaft vergessen geht.“

Rolf Dobelli liefert den Impfstoff gegen den Schläfereffekt gleich mit:

   „Erstens: Nehmen Sie keine unverlangten Ratschläge an, auch wenn sie angeblich noch so gut gemeint sind. Damit schützen Sie sich zu einem gewissen Grad vor Manipulation.

   Zweitens: gehen Sie übel verseuchten Quellen soweit wie möglich aus dem Weg. Was für ein Glück, dass Bücher (noch) werbefrei sind!

   Drittens: Versuchen Sie sich bei jedem Argument, das Ihnen geläufig ist, an die Quelle zu erinnern. Wer sagt das? Und wieso wohl? Gehen Sie vor wie ein Ermittler, der sich die Frage stellt: Cui bono? Wem nützt es? Das ist viel Arbeit und macht Ihr Denken langsamer. Dafür klarer.“

   Dem ist zunächst nichts weiter hinzuzufügen – außer der Frage vielleicht:
Wachstum – warum, wo, wann und für wen?



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Total brutal

IMMER WIEDER MITTWOCHS
01.01.2014

Aufgeschoben ist doch aufgehoben

    Das Schloss Bellevue und das Bundeskanzleramt liegen nicht weit auseinander. Deshalb bietet sich an, die Weihnachts- und Neujahrsbotschaften ans Volk gegenchecken zu lassen. Das klappt jetzt wieder besser. Der Bellevue Vormieter hat seine Botschaft, welch eine Neuerung, im Stehen und im Kreis geladener verdienter Bürger und Bürgerinnen nebst deren am Boden spielenden Kindern verkündet. Seine Frau war auch zugegen.

   Damit hat der Neue jetzt wieder Schluss gemacht. Ob der Pastor sitzt und vom Schreibtisch aus predigt, zwischen Weihnachtsbaum und Bundesadler, ist auf Anhieb nicht zu erkennen. Wahrscheinlich steht er. Trotzdem sieht man ihn nur zur Hälfte. Die Dame des Hauses bleibt unsichtbar. Es ist nicht zu erkennen, ob außer dem Kamerateam noch jemand da ist. Er lobt die vielen Freiwilligen und Ehrenamtlichen. Die Flüchtlinge sind ihm ein Herzensanliegen und er legt deshalb ein gutes Wort für sie ein. Nebenbei spricht er vom Christkind und von Engeln mit ihrer frohen Botschaft. Zur völligen Verblüffung werden die sonst traditionell bei solchen Anlässen zu Mitbürgern und Mitbürgerinnen beförderten Zuschauer/innen gleich zu Beginn in die Rolle von Damen und Herren zurückgestuft. Die Kinder bleiben außen vor. In Disneyland wird der kleine Nachwuchs dagegen  immer und von manchen Flugkapitänen immerhin gelegentlich in die Begrüßung mit einbezogen.

   Die Bundeskanzlerin bleibt bei den Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Sie sitzt und zwar vor dem Teleprompter neben der Schwarz Rot Goldenen und der Europaflagge. Während sie traditionsgemäß fehlerfrei ihr Gedicht vorliest, wird sie ständig hin und her gezoomt und durch die Kamera immer wieder von links nach rechts und von rechts nach links bewegt. Sie lässt im Gegensatz zum Bundespräsidenten nichts aus. Alle Bevölkerungsgruppen und Berufe werden lobend erwähnt, alle Politikfelder abgehakt. Aber auch ihr haben es die vielen Freiwilligen und Ehrenamtlichen angetan. Sie sind das Rückgrat des Landes.

   Bei den so Umschmeichelten taucht so erst gar nicht die Frage auf, was denn mit dem milliardenschweren Bundeshaushalt geschieht. Wozu braucht die Regierung, außer zur Deckung der Personalkosten, die ganzen Steuergroschen überhaupt noch, wenn es eh die Freiwilligen richten. Vielleicht meint sie, dass Frieden teuer ist, als sie vorrechnet Wievielte Jahre zwischen der nächsten Europawahl in diesem Jahr und verschiedenen Ereignissen der Vergangenheit ins Land gegangen sind: 100 Jahre nach Beginn des ersten Weltkriegs, 75 Jahre nach Beginn des zweiten Weltkriegs und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer. Vielleicht sollen immer mehr Freiwillige und Ehrenamtlich ranklotzen und nicht an steigenden Strompreisen und Mieten herumnörgeln.

   Apropos Flüchtlinge. Bei der Themenwahl für die Jahresendbotschaften haben die Büros der Staatsspitzen vergessen, sich mit der Bayrischen Staatkanzlei abzusprechen. Völlig unchristlich und bar jeglicher Sehnsucht nach einem friedvollem Dasein zwischen den Jahren ist dort der Boot-ist-voll Dampfer in See gestochen. "Armutszuwanderern" aus den EU-Mitgliedsländern Rumänien und Bulgarien müsse ein Riegel vorgeschoben werden, heißt die Botschaft aus dem Süden. Europa ja, aber alles in Grenzen. Der Bundespräsident hat wohl schon so etwas geahnt. Die Regierungschefin hat sich da zunächst einmal herausgehalten.

   Der Appell an freiwillige und vor allem unentgeltliche Dienstleistungen der Bürgerschaft entpuppt sich im Übrigen immer wieder als zwiespältig. Einerseits erschallt der Ruf nach selbstloser Aktion, aber überall dazwischen funken sollen die Bürger und Bürgerinnen nun auch wieder nicht. Trotz aller Aktionsaufrufe für gute Taten muss gleichzeitig für Ruhe gesorgt werden. Deswegen wird es immer wieder als Staatkunst gepriesen, mächtige Ruheprogramme aufzulegen und erst im allerletzten Moment aus der Deckung zu kommen, bevor wirklich alles anbrennt.

    Nachhaltiges Handeln meiden viele Akteure in den Führungsetagen wie der Teufel das Weihwasser, weil es nach herrschender Meinung der kurzfristigen Lebens- und Karriereplanung nicht förderlich sein soll. In der Politik gilt der 4 bis 5 Jahreshorizont, im Wirtschaftskonzern hat sich die Vertragslaufzeit der Vorstandsmitglieder als Richtschnur allen Handelns etabliert. Der ruhiggestellte Mensch wird  immer wieder in die Bredouille gebracht, wenn von ihm aktives eigenständiges Handeln verlangt wird. Plötzlich soll zwingend notwendig sein, was vorher lange Zeit verpönt war.

    Von Hause aus kann der Mensch nicht fliegen, zumindest nicht ohne ein taugliches Fluggerät. Die Flasche Rotwein zerknallt auf den Küchenfließen oder ergießt sich über den Teppich im Wohnzimmer, wenn sie uns aus der Hand fällt. Der Ball kommt irgendwann runter, auch wenn der Stürmer einen Bombenschuss absetzt.

   Die Schwerkraft richtet es. Dass alles zu Boden geht, wissen wir schon immer. Seit Isaac Newton wissen wir sogar warum. Das Gesetz der Schwerkraft demonstriert unbarmherzig seine ewige Gültigkeit. Jeder Überflieger fällt auf die Nase, wenn er es überlisten will. Darum bleibt er auf dem Fernsehturm hinter der Brüstung und der Bergsteiger seilt sich an.

   Der Mensch muss sich wohl oder übel beugen. Die Schwerkraft ist nicht das einzige Naturgesetz, das ihm zu schaffen  macht. Seitdem der Mensch nicht mehr täglich vor wilden Tieren davonrennen muss, wird ihm nachgesagt er sei träge. Diese üble Nachrede versucht er durch allerlei Hektik und Geschäftigkeit zu entkräften.

   Dennoch scheitert er häufig am Wesentlichen.  Das Auto, den Zug oder das Flugzeug besteigen? Das klappt einigermaßen, wenn er sich erst einmal aufgerafft hat, von A nach B zu gelangen. Schwieriger wird es, wenn zur Fortbewegung kein fahrbarer Untersatz und keine öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen.

   Er wollte schon immer mal sein Englisch verbessern, gern  mal wieder ins Theater gehen, sich mehr um die Familie kümmern, vom Häuschen im Grünen nicht nur träumen, nicht jeden Euro dreimal rumdrehen müssen und vieles andere mehr. Woran scheitert das Ganze dann immer wieder?

   Entgegen der Selbstdiagnose, dass doch alles gar nicht so einfach ist, die anderen ihm dauernd Knüppel zwischen die Beine werfen, die Zeit einfach fehlt und was sonst noch alles, leidet er an einer kleinen Gedächtnisschwäche. Der Mensch hat schlicht und einfach vergessen, dass er selbst etwas tun muss.

   Das ist im wahrsten Sinne des Wortes auch leichter gesagt als getan. Hat sich der änderungs- und bewegungswillige Mensch schließlich zur Tat aufgerafft, fällt er dem nächsten Blackout zum Opfer. Er übersieht, dass er nicht alles gleichzeitig und auf einmal haben kann.

   Er kann nicht gleichzeitig der jahrelangen Tradition folgen, zuhause beim jährlichen Klassentreffen Würstchen grillen und gleichzeitig auf der Karibikkreuzfahrt am Kapitänstisch speisen. Wenn er Weißwein trinken will, passt kein Rotwein mehr ins Glas, wenn er mit den Kindern spielen will, sind Überstunden im Büro fehl am Platz. Gleichzeitig ins Theater gehen und Tagesschau gucken geht auch nicht.

   Der technisch hochgerüstete Mensch wiegt sich dennoch weiter in dem Irrtum, er könne mit geschicktem  Management und Zeitplansystem das eine oder andere nach hinten schieben und später erledigen. Wenn er dann dem standesgemäßen Burnout gerade noch so entronnen ist oder der Bypass erfolgreich gesetzt ist, bleibt schließlich das letzte Naturgesetz doch nicht aus. Dieses markiert den Endpunkt des irdischen Daseins.

   All das Aufgeschobene und Nichtgetane, Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen werden mit den sterblichen Überresten auf immer und ewig entsorgt. Aus der Traum. Von wegen aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Rechenschwäche hat voll zugeschlagen. Ein Menschenleben ist keine unendliche Zahl. Bis einhundert, dann wird abgerechnet. Wer dann sein Leben lang für andere geackert hat, ist am eigenen Leben vorbeigeschrammt.

   Mit unserem kleinen Projekt haben wir ein ideales Übungsgelände. Nach dem ersten Schritt muss der zweite folgen. Ist es wirklich der Wunsch? Sollen sich in 500 Tagen mithilfe von zusätzlichen 199.000 Euro eigene Wünsche zu erfüllen? Dann gibt es nur eines: jetzt etwas tun. Aktive Programmteilnehmer wissen, was zu tun ist. "Neue" finden die Anleitung weiter unten.

Dazu noch eine ganz persönliche Bemerkung

   Immer wieder wollen sich sehr liebe Menschen bei mir entschuldigen. Sie bringen zum Ausdruck, wie leid es Ihnen täte, dass sie noch keine Zeit gefunden hätten diesen oder jenen Text zu lesen oder manches nur "angelesen" hätten. Das bringt mich dann etwas in Schwierigkeiten und gleichzeitig zum Nachdenken. Denn sollte irgendwo oder irgendwann der Eindruck entstanden sein, dieses Projekt wäre dazu da, dem Autoren mit der Teilnahme einen Gefallen zu tun, so müsste dieser an solchen Schwachstellen nachbessern.

   Es wäre eine fatale Sache, wenn jemand die Gerichte in einem Kochbuch deswegen kocht, weil er damit dem Schreiber oder der Schreiberin einen Gefallen tun will. Ziel ist es, dass er für sich ein schmackhaftes Gericht hinbekommt, von dem er auch noch satt wird. Dabei kommt es in erster Linie darauf an, dass das Buch nicht im Regal verstaubt, sondern Kochlöffel und Bratpfanne am Herd aktiv eingesetzt werden.

   Das besondere hier an diesem Programm ist ja, dass das Kochbuch nicht nur gelesen wird, sondern das Gericht auch gleich gekocht wird. Die fertige Mahlzeit heißt: mindestens 199.000 Euro in 500 Tagen. Der eigenen individuellen  Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Vorgegebene Minimalhandgriffe müssen aber dennoch bewerkstelligt werden.

   Dazu gehört eben auch, dass von Zeit zu Zeit geklärt werden muss,  wer noch mit dabei ist. Wer die Trainingsrunden bis hierher durchlaufen haben, kann bereits auf 50 Trainingsfolgen mit mehreren hundert Seiten Inhalt zurückblicken und online darauf zugreifen. Dieser Wissensstand ermöglicht die Entscheidung, ob dieses Programm wenigstens im Ansatz (es sind ja erst 10 Prozent im Blick) soweit persönlich nützlich ist, dass es sich lohnt, es weiterzuverfolgen.

   Wer diese Frage mit ja beantwortet und weiter dabei sein will, hat mit dem nächsten Schritt kein Problem, wirklich nicht. Was ist die Alternative? Blicken wir dazu noch einmal zurück auf die erste Einstiegsfolge:

Tag 1 von 500
auf dem Weg zu 199.000 Euro 

Zwei Möglichkeiten

Häuser-Reihe-Euroscheine

Ihre Wünsche?

Sie haben zwei Möglichkeiten.
Entweder
Sie erfüllen sich Ihre Wünsche.
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Sie verzichten darauf.


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Ganz schön fies

IMMER WIEDER MITTWOCHS
25.12.2013

Jetzt oder nie

   Weihnachten ist der beste Beweis. Es gibt mehr als genug. Die Teller und Tische sind voll. Zuvor sind die Kaufhäuser voll, trotz wachsender Schlangen vor den Kassen. Der Nachschub rollt. Selbst zusätzlich explodierende Online-Umsätze sind nicht in der Lage, die Fülle zu beschränken. Im Grunde gilt das auch in der übrigen Jahreszeit. Wenn im Supermarkt mal etwas fehlt, verhindert meist nur eine zu dünne Personaldecke das Auffüllen der Regale. Waren sind genug vorrätig. Das ist in anderen Bereichen nicht anders.

   Dennoch scheinen viele Hersteller und Händler den Hals nicht schnell genug vollzukriegen.Sie setzen unbarmherzig einen der ältesten Psychotricks der Menschheitsgeschichte ein. Mache etwas knapp und die Leute rennen sich die Hacken danach ab. Keine Lüge ist zu dreist. Keine Täuschung ist zu plump. Keine Behauptung ist zu unsinnig. "Nächste Woche ist Schluss", "nur noch heute",  "einmalige Gelegenheit" und schon verschwinden die dritte Bohrmaschine und der vierte Akkuschrauber im Werkzeugschrank, weil "nur noch 3 auf Lager" sind. Immer wenn Bedenkzeit angebracht wäre, zaubern nicht nur Makler und Gebrauchtwagenhändler einen weiteren hochmotivierte Interessenten aus dem Hut.

   Tolle Rabatte, unzählige Freiminuten, drei kaufen – zwei zahlen, das alles gibt's nur hier und heute und nur solange der Vorrat reicht. Schließlich bemerkt der in die Enge getriebene Mensch zu spät, dass er vor lauter knappen Gelegenheiten in der Knappheitsfalle gelandet ist. Denn: knapp geworden ist sein Geld und das, obwohl es davon mehr als genug gibt. Es befindet sich nur in anderen Taschen. Einmal und nie wieder, dieser Irrglaube gedeiht üppiger denn je. Das Konzert wird um so besser, je weniger Plätze es gibt. Das Buch ist ein Renner, wenn das Verbot droht.

   Gesetze schützen uns vor vielem: dass wir nicht falsch parken, keine falschen Glühbirnen benutzen, dass uns fremde Hunde nicht beißen dürfen und andere bei rot halten müssen, wenn wir bei grün über die Straße gehen. Betrügen darf uns auch niemand. Eine heilige Kuh gibt es allerdings. Der stehen wir weitgehend ungeschützt gegenüber. Das ist der Markt und seine Wirtschaft. Dort gilt als begnadet, wer uns am besten übers Ohr haut und die besten Geschäfte macht. Die allerbesten werden Verkäufer des Jahres und bekommen Kreuzfahrten geschenkt und Boni überwiesen.

   Es ist gut erforscht, warum wir auf die ganzen Tricks reinfallen. Ebenso gut ist aber auch erforscht, wie sich die eine Seite der "Marktteilnehmer", die Händler, erfolgreich an unsere Geldbörsen heranpirschen können. Das bringt ihnen im seriösen Gewand die "Verkaufspsychologie" bei. Dazu gibt es wiederum die Berufsstände der Verkaufstrainer und Marketing Experten.

   Damit wir gegen den verkaufspsychologischen Tsunami besser gewappnet sind, bietet sich in den Tagen nach Weihnachten bis zum Beginn des neuen Jahres eine exzellente Gelegenheit für eine Immuntherapie. Verkaufsspezialisten und Marketingexperten fassen in dieser Zeit bevorzugt für das kommende Jahr den Vorsatz, uns noch besser zuleibe zu rücken, zwecks der besseren Umsätze. Der andere Teil der Menschheit, das ist halt so Brauch, fasst ebenfalls gute Vorsätze. Damit arbeitet Sie der Verkäuferseite zumeist direkt in die Hände.

   Viele wollen gesund bleiben oder gesund werden. Andere wollen abnehmen oder schlank bleiben. Fast alle wollen glücklich und zufrieden sein und einer sicheren Zukunft entgegenblicken. Das sind die besten Vorbereitungen, in die aufgestellten Fallen zu tappen. Denn für alles hat die Verkaufs- und Marketingfront ein Mittel parat. Die Angebote sind knapp, versteht sich. Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Schnell zugreifen, bevor es andere tun. So hetzen wir von Sonderangebot zu Sonderangebot, so lange der Vorrat reicht. Irgendwann sind unsere Mittel in das Gegenlager gewechselt. Wir stehen vor der knappen Haushaltskasse und fassen für das nächste Jahr wieder neue Vorsätze.

   Wie es der Hase auch anstellt, der Igel ist schon längst da. Dieses Spiel geht solange, bis endlich ein ganz wesentlicher Vorsatz fürs neue Jahr hinzugefügt wird. Der könnte lauten:

Ich widerstehe allen Nötigungsversuchen und sage grundsätzlich erst einmal NEIN zu allen befristeten Angeboten. Ich frage, ob ich die Sache tatsächlich JETZT im Rahmen meiner persönlichen Ziele benötige. Erst dann prüfe ich Preis und Nutzen, unabhängig von zeitlichem Druck und Knappheit. Wer mich nötigt oder unter Druck setzt, hat schlechte Karten.

Probieren Sie es aus und schalten Sie bei "einmaligen" Angeboten zunächst auf Alarmstufe Rot. Lassen Sie sich von den Ergebnissen dieses Vorsatzes überraschen. Überlassen Sie Denkfehler lieber anderen.


Robert Dobelli listet hier 52 Denkfehler auf. Darunter auch auf
Seite 113: Der Knappheitsirrtum und
Warum knappe Kekse besser schmecken


 Passt ganz gut zu dieser Seite: Einer muss die Brötchen backen


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Ach du liebe Zeit




IMMER WIEDER MITTWOCHS
18.12.2013

Ach Du liebe Zeit

   Verordnungen sind etwas Heiliges. Die verbieten es zum Beispiel, anderen einfach in einem Zweizeiler mitzuteilen, dass sich die Kontonummer geändert hat. Eine Verordnung muss umgesetzt werden, vor allem, wenn sie ursprünglich aus Brüssel kommt. Eine DIN A4 – Seite ist das Mindeste, auch wenn am Schluss darauf hingewiesen wird, dass nichts weiter zu unternehmen ist. Mit der neuen Kontonummer ist per SEPA-Verordnung offensichtlich der Grundgedanke umgesetzt worden: je kürzer der Überweisungsweg, desto länger muss die Kontonummer und die Zeit zum Ausfüllen des Überweisungsscheins sein. Man hätte hier natürlich gleich Nägel mit Köpfen machen und das Geburtsdatum mit der Konfessionszugehörigkeit in das Zahlenwerk mit aufnehmen können.

   Neben dem Hin- und Herschieben von Bankguthaben haben die Menschen nebenbei noch anderes zu tun. Die Zeit ist immer Knapp. Vor allem wenn es auf das Jahresende zugeht, bleibt nicht mehr viel Zeit all die Dinge zu tun, die im dahinscheidenden Jahr eigentlich noch getan werden müssten. Vor allem muss noch für etwas ganz Wichtiges Zeit übrig bleiben. Traditionell müssen die ganzen guten Vorsätze für das nächste Jahr noch gefasst werden. Damit ist allerdings die Zeitknappheit für das nächste Jahr schon vorprogrammiert.

   Per Verordnung von oben kommt ebenfalls in arge Nöte, wer sich und seinen Lieben für das kommende Jahr Gesundheit wünscht. Da sieht es übel aus, wenn die Gesundheitssuchenden sich nicht rechtzeitig um die neue Gesundheitskarte bemüht haben. Denn genau ab dem 1. Januar kann der Mensch nur noch gesund werden, wenn er für Produktion der neuen Karte ein Lichtbild zur Verfügung gestellt hat. Die alte Karte ohne Foto macht nicht mehr gesund. Die Ärzte brauchen dazu jetzt ein Bild, wenn Sie sich ein Bild über den Zustand ihrer Patienten machen wollen.

   Den Hilfesuchenden ohne Bildkarte bleibt nur der Umstieg in die Klasse der Privatpatienten oder das alte Hausmittel des Gesundbetens. Warum Privatpatienten auch ohne Lichtbild vom Onkel Doktor gesund gemacht werden können, ist noch nicht eindeutig erforscht.

   Jedenfalls kosten die ganzen Verordnungen eine Menge Zeit, die niemand hat oder rausrücken will. Darum gibt es ja auch schon lange das Zeitmanagement. Das hat im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Experten in Lohn und Brot gebracht. Deswegen boomen zum Jahresende neben Kalendern auch wieder die Zeitplaner mit einer unerschöpflichen Fülle von Hilfsmitteln. Der Zeit ein Schnippchen zu schlagen, sie zu optimieren, vor allem aber dieses kostbare Gut zu sparen, hat sich zum Volkssport entwickelt.

   Damit sind wir wieder bei der beklagten Volkskrankheit, der Rechenschwäche. Jedem Erdenmenschen steht unverrückbar sein individuelles Lebenskontingent zur Verfügung. Es bleibt ein frommer Glaube, irgendjemand würde ihm am Ende seine ersparte Zeit in  weitere Lebensmünzen umtauschen. Was vorbei ist, ist vorbei. Deshalb ist es sicherlich klüger, seine Zeit nicht zusammenzuraffen, sondern immer zeitnah das Beste daraus zu machen.

   Wenn Sie mögen, nehmen Sie sich die Zeit und schauen sich das Video an. Es ist die Aufzeichnung einer der Fernsehsendung des Bayrischen Rundfunks. Die wurde auch als Videokassette vertrieben. Hier ein Auszug aus dem Kassettentext:

„Die Zeit hat den modernen Menschen voll im Griff. Wie steht es dabei mit unserem Zeitempfinden? Gibt es eine reale Existenz von Zeit oder ist diese nur ein Konstrukt unseres Verstandes? Wie vollzieht sich das Leben in unserer hektischen „Beschleunigungsgesellschaft“, was bedeutet die Zeitlosigkeit für den Menschen, und kann es eine „Befreiung“ von der Zeit geben? – diesen und anderen Fragen geht Moderatorin Sabine Sauer zusammen mit der Management-Trainerin und Zeit-Spezialistin Vera F. Birkenbihl im ersten Teil der Sendereihe nach und stellt verschiedene Aspekte und Sichtweisen zum Thema „Zeit“ vor. …“

(Quelle: ALPHA Zeit, TR-Verlagsunion GmbH, München, 1997)

Video (58 Minuten)


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Geniale Masche

IMMER WIEDER MITTWOCHS
11.12.2013

(Teil 2 – Fortsetzung vom letzten Mittwoch – 04.12.2013 – „Schwer verrechnet)

Ist das nicht genial?

   Eigentlich ist alles ganz toll. Es geht uns gut im Land mit der schwarz rot goldenen Flagge. Das bisschen, was noch nicht ist, wird schon noch werden, meldet das Regierungsviertel. Natürlich gibt es immer Leute, die meinen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Viele Ampeln stünden auf rot, so dass manch einer nur noch schwarz sieht. Für solche Fälle hält sich ein alter Brauch im Lande. Der Finger zeigt bevorzugt in andere Richtungen, sobald es daheim ungemütlich wird. Vor allem, wenn Geld im Spiel ist, deutet der Finger gern über die Alpen in südliche Richtung. Auch die Pyrenäen  lassen sich bequem überqueren und die Ägäis ist ebenfalls kein Hindernis. Die kürzeste Entfernung für den Finger ist allerdings Italien, insbesondere aus dem Süden der Republik. In bella Italia lässt sich Urlaubsbräune gut mit dem erhobenen Zeigefinger verbinden.

Gelegentlich werden deutsche Urlaubsreisende aber unsanft an die eigene Haustür erinnert.

Den kompletten Text bitte hier weiterlesen …

 


 
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Miserabel in Mathe?

IMMER WIEDER MITTWOCHS
04.12.2013

Schwer verrechnet.

   „Deutschlands Schulen sind nicht nur schlapp im Unterrichten. Sie gehören auch zu den ungerechtesten der Welt. Das war die Nachricht, mit der Pisa 2000 das Land schockierte. Das Vertrauen ins Schulsystem war zutiefst erschüttert“ (DER TAGESSPIEGEL, 04.12.2013).

   Einen weiteren Schock hätte das Land wohl nicht verkraftet. Darum wird heute gemeldet: „Deutsche Schüler holen auf“. Das ist von den hinteren Rängen ins Mittelfeld ein so großes Kunststück auch wieder nicht. Jedoch drängt ein bedauerlicher Befund die gute Nachricht in den Hintergrund. In Mathematik sieht es übel aus. Da sind uns die Asiaten um Lichtjahre voraus.

   Das ist kein Wunder. Denn allein schon in Deutschland liegen zwischen den Bundesländern ganze Welten. In der Bundeshauptstadt sieht es besonders übel aus: zwei Jahre Lernrückstand auf die Sachsen. Das merken  auch Nichtmathematiker in Berlin an allen Ecken und Enden. Wir kommen darauf zurück. Natürlich hat die Mathematikschwäche auch etwas Gutes. Sie hat den Job des Mathecoachs geschaffen. Das bringt aber sogleich ein weiteres Problem mit sich. Es gibt zu wenige.

   Das wir in Deutschland in Mathematik so schlecht sind, ist nicht verwunderlich. Jeder kennt die Smalltalks und Interviewoffenbarungen: „in Mathe war ich miserabel“. Da finden sich viele in bester Gesellschaft. In Mathematik nichts auf dem Kasten? Das rangiert unter Kavaliersdelikt und wird wohlwollend abgelegt.  Stellen Sie sich einmal vor, es würde jemand im gleichen Ton locker berichten, er habe nie richtig lesen gelernt und auch mit dem Schreiben hapere es.

   Das miese Mathematikniveau erklärt vieles. So wird Unbegreifliches verständlich. Flughäfen, Bahnhöfe, Opern, Rennstrecken, selbst kleinste Bauvorhaben werden immer teurer als ursprünglich berechnet. Dafür werden sie später fertig als geplant.

   Aber nicht nur in der Baubranche ist der Zustand desolat. Wie soll das mathematisch ungeschulte Bürgerhirn damit klarkommen, dass es fortwährend mit widersprüchlichen Meldungen bombardiert wird. Die offizielle Preissteigerungsrate wird immer unter 2 Prozent pro Jahr gemeldet. Zurzeit mal wieder traumhafte 1,2 %, irgendwann mal wieder liegt sie bei 1,9 Prozent. Das hängt ganz offensichtlich damit zusammen, dass eine Preissteigerungsrate über 2 % als inflationär gilt und damit die Geldwertstabilität gefährdet.

    Jeder weiß, dass für viele Waren des täglichen Gebrauchs die publizierten Steigerungsraten nie und nimmer stimmen können. Er kann es dieser Tag täglich Nachlesen oder im Fernsehen bestätigt finden: die Lebensmittepreise sind im Bereich von etwa 10% gestiegen. Das radiert man den mathematisch Unterbelichteten mit dem Hinweis auf den „Warenkorb“ aus. Da sind Autos, Kühlschränke und Computer drin. Letztere sind ja über die Jahre ganz toll billig geworden und drücken den Schnitt.

   Das gleiche System erkennen wir bei giftigen Rückständen auf Erden, zu Wasser und in der Luft. Die bedenklichen Gift- und Gefährdungsanteile halten sich immer innerhalb der erlaubten Grenzen. Sollte das einmal nicht möglich sein, bietet sich an, die Werte den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Schon haut der Grenzwert wieder hin und für die Bevölkerung „hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden“.

   Bei den Mathedefiziten steckt die Karre aber auch wirklich im Dreck. Wir wissen, dass nicht jeder seine Bildung gerade so gestalten kann, wie er das für richtig hält. Dazu haben wir eine ganze Palette von Institutionen. Wir haben niedrige Schulen, höhere Schulen und sogar Hochschulen. Da wäre eigentlich für jede und jeden  was dabei. Das klappt aber allein schon deshalb nicht, weil zu viele Köche den Brei verderben. Dazu kommt, dass diese Köche auch alle in die gleichen Schulen gegangen sind. Und was haben Sie dort mit auf den Weg bekommen: unzulängliche Mathematikkenntnisse. Deswegen können viele einfach nicht rechnen oder verrechnen sich andauernd.

   Das geht mit ganz kleinen Dingen schon los, zum Beispiel Brutto und Netto. Immerhin noch 5 Jahre nach Pisa I brachte die Regierungschefin die beiden Größen durcheinander. Die Kanzlerin unterrichtete die Bürger über die ARD Sommerinterview Fernsehmikrophone darüber, „dass die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken." Wer richtig rechnet, kommt jedoch zu dem Ergebnis, das nicht die Bruttolöhne sinken, sondern die Nettolöhne steigen.

   Aber so ist das in den oberen Etagen. Selbst ein Bundespräsident hat sich verheddert. Möglicherweise hat er zu sehr mit seinem „rollierenden Geldmarktkredit“ fürs 500.000 Euro Eigenheim herum gerechnet und dabei übersehen, dass andere eine Hotelrechnung für ihn bezahlt haben. Die Rechenschwierigkeiten setzen sich indessen nach unten fort.

   Der Finanzminister hatte schon Schwierigkeiten lange vor seiner Ministerzeit. Damals musste er sich noch mehr um die Parteifinanzen kümmern. Das war aber ein schwieriges Terrain und erforderte komplizierte Rechenvorgänge.  Deshalb ist mit der im Briefumschlag überreichten großzügigen 100.000 DM Spende eines Waffenlobbyisten gar nicht erst lang gerechnet worden. Sie wurde entgegengenommen, fertig. Hinterher wusste keiner mehr so genaues.

    Was sind schon 100.000 DM. Der Parteichef und damalige Bundeskanzler machte mit Parteispenden von 6 Millionen ebenfalls an der Gesetzeslage vorbei kurzen Rechenprozess. Er verbuchte sie gegen die neu eingeführte rechnerische Unbekannte in Form seines Ehrenwortes. Dieses mathematische Kuriosum hat sich bis heute erhalten. Die Spender sind nach wie vor unbekannt.

   Einen knallharten,  stets korrekt gescheitelten Law-and-Order Innenminister trieb seine Mathematikschwäche in Sachen Parteifinanzen in seinem Bundesland in die Fänge der Justiz mit abschließender Verurteilung. Die als „jüdische Vermächtnisse“ getarnte unorthodoxe Gegenbuchung auf Schweizer Konten hat einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten.

  Insbesondere bei der Hinterziehung von Geldmitteln, die eigentlich gut für die Beseitigung von Bildungsdefiziten eingesetzt werden könnten, treten immer wieder mangelhafte Rechenkünste zutage. Das musste auch ein adeliger Wirtschaftsminister erkennen, nachdem ihn die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ereilt hatte. In diesem Komplex stellen wir immer wieder fest, dass die Betroffenen mit allem rechnen nur nicht damit, dass sie erwischt werden. Diese tragischen Fehlkalkulationen untermauern das Ergebnis der aktuellen Pisa-Studie.

    Dem ehemaligen Chef eines deutschen Dax-Unternehmens wäre vielleicht die kamerawirksame Festnahme erspart geblieben und der Präsident eines renommierten Fußballvereins müsste keine öffentliche Schmach ertragen, hätte sich vor vielen Jahren der Fraktionschef der Regierungspartei durchgesetzt und ein gerechtes transparentes Steuersystem auf den Weg gebracht. Das sollte auf einen Bierdeckel Platz haben. Das wollte die Chefin nicht und hat den Mann in die Wüste geschickt.  Aber nicht nur Steuervisionen stricken Politikerkarrieren um. Auch das fehlerhafte hantieren mit Bonusmeilen im Flugverkehr hatte schon politische Konsequenzen. Unternehmer wissen es von Hause aus. Die anderen müssen es erst lernen. Es gibt eben ein Privatkonto und ein Geschäftskonto.

   Das Mathematikproblem zeigt das ganze Dilemma. Insbesondere dort, wo Geld im Spiel ist, geht fürchterlich viel daneben. Das ist eine völlig logische Folge davon, dass im Zusammenhang mit Geld immer wieder gerechnet werden muss. Bei dieser elementaren Grundlage werden wir bereits auf Glatteis geführt. Die Verführer kommen aus allen Himmelsrichtungen und auch aus dem Himmel selbst.

   Wir sollen glauben, sagen sie uns alle. Glaube  mir, flehen uns alle an. Verliere nicht den Glauben, flüstern sie uns Tag und Nacht zu. Der Glaube ist wichtiger als alles andere lautet der immer und immer wieder zugestellte Bescheid. Das gilt für alles Mögliche und Unmögliche. Glauben heißt die Parole, nicht kleinkariert Erbsen zählen. Bleiben wir beim Geld. Auch da haben die Predigten ihre Spuren hinterlassen. Zum Beispiel glauben viele Menschen immer noch, Geld sei eine Sache. Nun sind wir ja keine Deppen. Ein bisschen was haben wir ja doch gelernt. Was ist ein Ding, eine Sache? Richtig, kann man anfassen.

   Geld kann man anfassen, richtig? Ja, aber trotzdem zumindest zur Hälfte falsch. Wir können nur Geldscheine und Münzen anfassen. Ausschließlich diese beiden sind tatsächlich Geld im gesetzlichen Sinne. Gesetzlich heißt, bei beiden handelt es sich um Zahlungsmittel. Nur damit können wir uns von unseren Schulden befreien. Strom kommt aus der Steckdose. Unser Geld kommt dafür zum Stromlieferanten. Der müsste wirklich per Gesetz nur gültige Geldscheine und (bis zu einem beschränkten Umfang) Münzen in Empfang nehmen, ohne wenn und aber.

   Was wir also anfassen können, das sind die Scheine und die Münzen. Das sind tatsächlich Dinge.  Was sich unserem Zugriff aber völlig entzieht, ist der Wert dieser Papierscheine und Münzen. Da landen wir in der Teufelsküche des Glaubens. Das gleiche gilt für die Zahlen, die wir auf unserem Kontoauszug sehen. Es sind nur Zeichen, die wir als Zahlen zu interpretieren gelernt haben. Uns wird dazu gesagt. Das ist Dein Geld. Darauf fallen wir herein. Es ist abgrundtief falsch. Was Geld ist, haben wir im letzten Absatz klargestellt. Wenn wir den Zahlen auf dem Konto noch irgendetwas abgewinnen wollen, haben wir nur zwei Begriffe. Das sind einmal „Forderungen“ an die Bank, oder „Verbindlichkeiten“ (Schulden) bei der Bank, falls das Konto im Minus steht.

   Die Zahlen auf dem Konto werden auch dadurch nicht zu Geld, dass der Arbeitgeber oder der Kunde uns das überwiesen hat, was uns in Form von Geld eigentlich zusteht. Taglöhner und Aushilfen kennen das noch. Sie bekommen ihre „Lohntüte“ in Form von Geld bar auf die Hand. Alle anderen haben Ihr Geld schon aus der Hand gegeben, bevor sie es überhaupt gesehen haben. Sie haben es in Forderungen umgetauscht. Das ist auch nach den Regeln der Mathematik etwas anderes als Geld. Äpfel sind keine Birnen und Forderungen sind eben kein Geld. Das habe ich erst, wenn ich es mithilfe der Plastikkarte aus dem Automaten ziehe.

   Auf den Taschenspielertrick mit dem angeblichen Geld auf dem Konto fallen die Menschen auch deswegen herein, weil Sie nur eine unvollständige Abrechnung vor Augen haben. Man sagt ihnen, dass sie ein Konto bei der Bank haben. Das sehen sie bloß nie. Sie bekommen immer nur Abrechnungen gezeigt.  Sie erhalten nur einen „Kontoauszug“. Sie sehen nie ein komplettes Konto.

   Eine mathematische Definition von Konten in der Buchhaltung ist es, dass sie immer ausgeglichen sind. Wenn auf der einen Seite ein Betrag steht, über den Sie verfügen können, muss auf der anderen Seite stehen, wo der Betrag herkommt. Unterm Strich steht auf beiden Kontoseiten der gleiche Betrag. Wer das immer vor Augen hat, wird sensibler für das, was mit seinem Geld geschieht.

   Wir sollten uns das einmal näher ansehen. Dazu gibt es einen zweiten Teil.  Dann kümmern wir uns auch noch einmal um eine Merkwürdigkeit des „Sparkontos“. (Teil 2 – Fortsetzung  "Geniale Masche")


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